Physik-Nobelpreis
Die Saat unserer Welt

Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr an drei Forscher, die grundlegende Fragen unserer Existenz geklärt haben. Denn ohne die Symmetriebrüche im Kosmos, deren Natur Yoichiro Nambu und Makoto Kobayashi und Toshihide Maskawa untersuchten, wäre Leben im Universum niemals entstanden.

dpa STOCKHOLM/HAMBURG. Der Nobelpreis für Physik ehrt in diesem Jahr eine fundamentale Erklärung für unsere Existenz: Wären die Naturgesetze perfekt symmetrisch, gäbe es keine Menschen, keine Erde, keine Sterne - überhaupt keine Materie im Universum. Materie und Antimaterie hätten sich nach dem Urknall gegenseitig wieder vollständig vernichtet. Für die Erforschung von Symmetriebrüchen in der Natur, die unter anderem das Überleben eines winzigen Materie-Überschusses ermöglicht haben, teilen sich der US-Physiker Yoichiro Nambu und seine japanischen Kollegen Makoto Kobayashi und Toshihide Maskawa nun die höchste Auszeichnung ihres Fachs.

Ein solcher Symmetriebruch hat ermöglicht, dass nach dem Urknall pro etwa zehn Milliarden Antimaterieteilchen ein einziges Materieteilchen übrig blieb. „Dieser Materieüberschuss war die Saat unseres ganzen Universums, das sich mit Galaxien, Sternen und Planeten - und schließlich Leben - füllte“, erläuterte das Nobelkomitee am Dienstag in Stockholm die fundamentale Bedeutung der ausgezeichneten Arbeiten. Der Münchner Physikprofessor Siegfried Bethke formuliert die grundlegende Frage so: „Warum sind wir überhaupt da? Das ist völlig mysteriös. Eigentlich dürfte es uns gar nicht geben.“

Der materiestiftende Symmetriebruch nach dem Urknall ist noch gar nicht vollständig verstanden. Doch solche Symmetriebrüche spielen auch andernorts in der Natur eine Rolle. Physiker hatten das Phänomen in ihren Laboren bereits in den 60er Jahren beobachtet, konnten es aber nicht erklären. Kobayashi und Maskawa erkannten 1972 an der Universität Kyoto, dass sich die Symmetriebrüche in die geltende Theorie integrieren ließen, falls es unter den Elementarteilchen eine dritte, noch nicht entdeckte Generation von Quarks geben sollte. Quarks sind die kleinsten Bausteine der Atomkerne. Tatsächlich wurde 1977 dann das „Bottom“- und 1994 schließlich das „Top“-Quark gefunden, das dritte Quark-Paar in der Natur.

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