Physik-Nobelpreis
Einstein und die Meister des Lichts

Mit dem Physik-Nobelpreis für Charles K. Kao, Willard S. Boyle und George E. Smith ehrt das Komitee in Stockholm die Väter der Informationsgesellschaft. Ohne die Arbeiten der „Meister des Lichts“ gäbe es heute weder schnelles Internet noch digitale Fotografie.
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STOCKHOLM. Jeder hat sie, immer mehr benutzen es, doch kaum jemand weiß, wer hinter den Erfindungen steht, die unser Alltagsleben wie kaum andere Entwicklungen beeinflusst hat: Am Dienstag wurden ein chinesischer Wissenschaftler und zwei Amerikaner für bahnbrechende Entdeckungen auf dem Gebiet der optischen Kommunikation und der Entwicklung des sogenannten CCD-Sensors ausgezeichnet. Keine Digitalkamera, kein schnelles Internet wären heute ohne die Entdeckung der drei ausgezeichneten Wissenschaftler möglich.

Der in China geborene und heutige britische und amerikanische Staatsbürger Charles K. Kao legte bereits in den sechziger Jahren den physikalischen Grundstein für die Übertragung von Daten in damals völlig unbekannten Geschwindigkeiten. Er experimentierte mit der Datenübertragung durch optische Fasern, eine Technologie, die das blitzschnelle Internet heute erst möglich gemacht hat. Ihm gelang es, ein Glasfaserkabel zu entwickeln, über das Informationen in Lichtgeschwindigkeit über nahezu unbegrenzte Entfernungen geleitet werden können.

Das Geheimnis: Kao entdeckte als erster, dass für das schnelle Überbrücken großer Entfernungen bei der Produktion der Kabel nur reines Quarz verwendet werden darf. Fügt man, wie damals üblich, dem Quarz zur leichteren Herstellung Natriumkarbonat und Kalziumoxid zu, bremsen diese Zusätze die Übertragung der Informationen. Der Signalverlust war so groß, dass nach wenigen Metern überhaupt nichts mehr ankam.

Kaos Entdeckung, dass nur völlig reines Quarz ohne Zusätze zu verwenden, stellte eine Revolution der Informationstechnologie dar. Dafür erhält der heute 75-jährige Kao die eine Hälfte des mit zehn Mio. Kronen (971 300 Euro) dotierten Physiknobelpreises.

Die andere Hälfte teilen sich Willard S. Boyle (85) und George E. Smith (79). Sie revolutionierten ebenfalls die Kommunikationstechnologie. Beide Wissenschaftler entwickelten den CCD-Sensor (Charge-Coupled Device, durch den die Digitalfotografie überhaupt erst möglich wurde. Heute sitzt in jeder digitalen Kamera und in jedem digitalen Teleskop ein solcher CCD-Sensor.

Boyle und Smith hatten 1969 die Fotografie überhaupt nicht im Sinn als sie einen digitalen Bildsensor entwickelten. Vielmehr waren sie auf der Suche nach einem besseren elektronischen Speicher. Daraus wurde nichts. Doch der wissenschaftliche Misserfolg verwandelte sich schnell in eine Erfolgsgeschichte: Sie merkten, dass ihr auf Kiesel aufgebauter Sensor bestens für die Bildwiedergabe geeignet war.

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