Physik-Nobelpreis
Sternexplosionen als Schlüssel zur Entwicklung des Kosmos

Mit ihrer Arbeit haben die diesjährigen Physik-Nobelpreisträger die Kosmologie erschüttert. Ihre Ergebnisse lassen Rückschlüsse auf die Entwicklung des Universums zu.
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DüsseldorfDie Arbeit der Physik-Nobelpreisträger 2011 hat die Grundfesten der Kosmologie erschüttert. Saul Perlmutter, Brian Schmidt und Adam Riess erkannten, dass die seit fast einem Jahrhundert bekannte Ausdehnung des Universums – eine Folge des Urknalls – sich beschleunigt. Als Schlüssel für ihre Erkenntnis erwiesen sich Sternexplosionen eines bestimmten Typs, sogenannte Typ-1a-Supernovae.

Solche Explosionen markieren das Ende eines bestimmten Sterntyps und gehören zu den energiereichsten Phänomenen im Universum. Eine einzige Supernova dieses Typs kann heller leuchten als eine ganze Galaxie.

Dank immer besserer Messinstrumente am Boden und im Weltraum gelang es in den 1990er-Jahren zwei Forschungsgruppen – eine gegründet von Perlmutter, die andere von Brian Schmidt – insgesamt mehr als 50  solcher Supernovae aufzuspüren, deren Licht schwächer war als von den Forschern erwartet. Diese Abschwächung interpretierten die Wissenschaftler als Hinweis darauf, dass sich die Ausdehnung des Universums beschleunigt.

Diese 1998 erstmals veröffentlichte Beobachtungen standen im Widerspruch zu seinerzeit gängigen Theorien, wonach sich die Ausdehnung des Universums aufgrund der Gravitation allmählich verlangsamen sollte.  Mit ihren Ergebnissen könnten die Forscher die von Kosmologen lange diskutierte Frage, ob unser Universum in Feuer oder Eis enden wird, entschieden haben: Die weitere Beschleunigung der kosmischen Ausdehnung lässt das letztere Szenario wahrscheinlich erscheinen.

Unklar ist allerdings, was genau die Ursache der Beschleunigung ist. Kosmologen haben für die treibende Kraft hinter dem Phänomen den Begriff der „Dunklen Energie“ geprägt – allerdings ohne konkrete Vorstellung, was sich dahinter verbergen könnte. Die Frage nach der Beschaffenheit jener dunklen Kraft mussten bislang auch die Physik-Nobelpreisträger 2011 schuldig bleiben.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik

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