Physik-Nobelpreis verliehen
Der Vater der Giga- und Terabytes

Ohne ihn würden heute noch Millionen von Musikliebhabern mit tragbaren Kassettenrekordern herumlaufen, ohne ihn wären viele Arbeiten auf Flughäfen, in der Hotellobby oder im Sommerhaus nicht denkbar.

STOCKHOLM. Peter Grünberg, am 18. Mai 1938 in Pilsen in der heutigen Tschechischen Republik geboren, hat es zusammen mit seinem französischen Kollegen Albert Fert möglich gemacht, dass wir mittlerweile tausende von Liedern, hunderttausende von Dokumenten und Photos mit uns herumschleppen können, ohne dafür einen Packesel gebrauchen zu müssen. Die beiden Wissenschaftler entdeckten den Riesenmagnetowiderstand und schufen damit die Grundlage für immer kompaktere Festspeicherplatten mit immer größerem Speichervolumen. Dafür erhalten sie die höchste Auszeichnung für Physiker, den Physik-Nobelpreis.

„Es ist unglaublich“, sagte der bereits vor drei Jahren pensionierte, aber immer noch am Forschungszentrum Jülich arbeitende Grünberg, wo er schon 1988 eine Professur übernahm. So ganz nimmt man dem 68jährigen die Überraschung nicht ab. Denn er selbst gibt zu, dass ihn Kollegen bereits vorgewarnt hatten, „wenn das Telefon klingelt und der Anrufer aus Stockholm kommt, dann hast du den Nobel-Preis“. Das Telefon klingelte gegen 11.45 Uhr, und der Anruf kam aus dem hohen Norden.

Jetzt wird gefeiert. „Wir trinken schon ein bisschen Champagner“, sagt der Mann, der mit seinem kleinen Oberlippenbart und den schütteren weißen Haaren alles andere aussieht als der Vater der Giga- und Terabytes. Und doch ist er es zusammen mit seinem französischen Kollegen Fert. Beide haben unabhängig voneinander 1988 den so genannten Riesenmagnetowiderstand (Giant Magnetoresistance-GMR) entdeckt. In der Begründung der königlich-schwedischen Wissenschaftsakademie heißt es, dass Fert und Grünberg eine Technik entwickelt hätten, „mit der die auf Computer-Festplatten gespeicherten Datenmengen ausgelesen werden“.

Dank der Entdeckung der beiden Wissenschaftler sei es heute möglich geworden, immer kleinere Festplatten mit immer größerem Speicher zu bauen. Was einfach klingt, ist hoch kompliziert und demonstriert eine erste tatsächliche Anwendung der so heiß und viel diskutierten Nanotechnologie: Die beiden beobachteten, dass sich der elektrische Widerstand von äußerst dünnen, manchmal nur ein Milliardstel eines Meters dicken magnetischen Schichten durch schwache äußere Magnetfelder stark verändert.

Beide Forscher verwendeten für die magnetischen Schichten Eisen und Kobalt, die von nichtmagnetischen Schichten aus Chrom oder Kupfer getrennt wurden. Auch diese Zwischenschicht ist nur wenige Nanometer dick. Die magnetischen Schichten reagierten je nach Dicke der nichtmagnetischen Trennschicht unterschiedlich: Mal zeigten die magnetischen Schichten die gleiche Ausrichtung, mal die Entgegengesetzte. Diese Entdeckung machten sich die Hersteller von Speichermedien zunutze und entwickelten hochsensible Lese- und Schreibköpfe für Festplatten, die wie ein Sensor diese Veränderungen des Widerstands messen konnten.

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