Pierre Curie
Der Vater des Atomzeitalters

Nobelpreis als Familiensache: Vor 150 Jahren wurde Pierre Curie geboren, der gemeinsam mit seiner Frau Marie die Radioaktivität erforschte. 1903 erhielten beide gemeinsam als bislang einziges Ehepaar den Nobelpreis für Physik - es sollte nicht die einzigen Nobelpreis-Ehren der Familie Curie bleiben.
  • 0

dpa PARIS. Es war nicht die heimtückische radioaktive Strahlung, die er erforschte, und auch keine Explosion im Labor, die einem der größten Physiker des 19. Jahrhundert zum Verhängnis wurde. Ein Unfall mit einem Pferdegespann riss Pierre Curie 1906 im Alter von nur 46 Jahren aus dem Leben. Erst zweieinhalb Jahre zuvor hatte der Franzose zusammen mit seiner Frau Marie den Nobelpreis für Physik erhalten. Die Arbeiten der Curies über Strahlungsphänomene sorgten in der Forschungsgemeinschaft weltweit für Aufsehen. Vor 150 Jahren, am 15. Mai 1859, wurde Pierre Curie geboren.

„Wir lebten wie in einem Traum, von der einen, einzigen Sache erfüllt“, schrieb Marie Curie später über die gemeinsame Forschungstätigkeit in Paris. Sie stürzte sich in Verzweiflung über den Tod ihres Mannes wohl noch mehr in die Arbeit. 1911 bekam sie für die Entdeckung und Beschreibung der radioaktiven Elemente Polonium und Radium noch einmal den Nobelpreis, diesmal für Chemie. Noch im Alter von 65 Jahren arbeitete die Forscherin zwölf oder mehr Stunden am Tag. Beim ersten Nobelpreis, den sie 1903 zusammen mit ihrem Mann und als erste Frau erhielt, war sie gerade einmal 36 Jahre alt gewesen.

Auch die Grundlagen für den zweiten Preis hatte sie gemeinsam mit ihrem Mann gelegt. Nach der Entdeckung der Radioaktivität durch Antoine Henri Becquerel widmeten sich auch die Curies intensiv diesem Phänomen. Bei der Untersuchung von Uranverbindungen stellten sie bei der Pechblende fest, dass die Strahlung nicht dem Urangehalt dieses Minerals entsprach, sondern viel stärker war. Das ließ darauf schließen, dass in der Pechblende ein noch unbekanntes, den chemischen Analysen entgangenes Element von mächtiger Strahlung stecken müsse.

1898 war es dann soweit - die Curies wiesen zwei neue radioaktive Elemente nach. Das eine nannten sie Polonium - nach Maries Heimat Polen - das andere Radium, „das Strahlende“. Beim Polonium gelang ihnen zunächst aber nicht, dieses Element so anzureichern, dass die für dessen Anerkennung nötige Bestimmung des Atomgewichts möglich war. Bei Radium waren sie dann zwar erfolgreich, doch wurden ihnen bei ihrer Arbeit die Schwierigkeiten klar, davon eine nennenswerte Menge zu gewinnen. Um an eine äußerst geringe Menge des strahlenden Elements heranzukommen, mussten mehrere Tonnen Pechblende aus dem Vorkommen Joachimsthal in Böhmen verarbeitet werden.

Erst nach Jahren Arbeit unter primitiven Bedingungen und vielen Rückschlägen war ein Zehntel Gramm reines Radiumchlorid gewonnen. Das Element Radium erwies sich als eines der ganz besonderen Art: Seine Strahlung durchdringt gewöhnliche Behälter, und aufgrund der starken radioaktiven Strahlung leuchten Radiumpräparate im Dunkeln. Bald wurde es auch eine erste Waffe gegen Krebserkrankungen.

Seite 1:

Der Vater des Atomzeitalters

Seite 2:

Kommentare zu " Pierre Curie: Der Vater des Atomzeitalters"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%