Pocken
US-Regierung setzt auf neuen Impfstoff

Pockenimpfungen sollen sicher werden. Ein neuer Wirkstoff, den das deutsch-dänische Unternehmen Bavarian Nordic entwickelt und bislang an 1500 Menschen getestet hat, verspricht deutlich weniger Nebenwirkungen. Vor allem die USA hat großes Interesse an dem neuen Serum. Vor wenigen Wochen bestellte die amerikanische Regierung 20 Millionen Dosen des Impfstoffes.

BERLIN. 1,6 Mrd. US-Dollar ist George W. Bush dieser Handel wert, obwohl der Impfstoff noch nicht zugelassen ist. Nach dem 11. September 2001 fürchtete die US-Regierung neue Terroranschläge. Besonders verheerend wäre ein Angriff mit Pockenviren, wie die Analysen von Sicherheitsexperten ergaben. Diese Erreger breiten sich über Tröpfchen in der Luft aus. Die typischen Pusteln auf der Haut treten erst zwei Wochen nach der Infektion auf, sodass bis dahin viele Menschen angesteckt werden könnten. Jeder dritte Patient würde laut Schätzungen sterben.

Zwar wurden die Pocken bereits vor drei Jahrzehnten ausgerottet, aber in zwei Laboren in Russland und den USA sollen die gefährlichen Variola-Viren bis heute aufbewahrt worden sein. Daher beurteilen Biosicherheitsexperten, wie Michael Schwanig vom Paul-Ehrlich-Institut in Langen, einen bioterroristischen Angriff mit Pocken „als extrem unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen“.

Angesichts dieser Situation kündigte US-Präsident George Bush 2002 an, 500 000 Beschäftigte aus dem Gesundheitssektor und bis zu zehn Millionen weitere US-Bürger auf freiwilliger Basis zu impfen. Dafür sollte ein Serum aus den dreißiger Jahren in die Haut geritzt werden. In Deutschland wurde nahezu zur selben Zeit für jeden Bundesbürger ein Vorrat dieses Pocken-Impfstoffes angelegt. Eine vorsorgliche Impfung lehnte das Robert-Koch-Institut jedoch ab: „Die Pockenschutzimpfung geht mit einer beträchtlichen Rate an Nebenwirkungen einher. Diese Risiken erscheinen nur bei einer akuten Bedrohung akzeptabel“, hieß es.

Bush setzte er sich über solche Warnungen in seinem Land hinweg. Ende 2002 lief die Kampagne an. Doch schon Mitte 2003 wurde sie gestoppt, nachdem gerade mal rund 40 000 Zivilisten behandelt worden waren. „Das Programm wurde aufgrund der schwer wiegenden Nebenwirkungen und des wachsenden Widerstands in der Bevölkerung eingestellt“, berichtet Paul Chaplin, Geschäftsführer von Bavarian Nordic.

Hirnhautentzündungen und Fieber sind die häufigsten Komplikationen. Ein bis zwei Geimpfte unter einer Million sterben an den Folgen der Impfung. Die schweren Nebenwirkungen rühren von dem Vaccinia-Virus im Serum, das ein Verwandter des natürlichen Pockenerregers ist. Dieses Virus vermehrt sich im Körper und ruft die typische Hautläsion hervor. HIV-Positive, Menschen mit Schuppenflechte oder Ekzemen, mit einer Krebserkrankung, einem Spenderorgan oder einer Herz-Kreislaufschwäche, ebenso wie Kinder und ältere Menschen dürfen den Impfstoff nicht bekommen, weil ihr Immunsystem dem Erreger nicht gewachsen wäre. Ein Viertel der Bevölkerung kommt aus diesem Grund für einen vorsorglichen Schutz nicht in Frage.

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