Polytronik
Intelligentes Plastik aus der Druckerpresse

Forscher und Industrie arbeiten an gedruckter Elektronik. Bei Bedarf können die Kunststoffe Strom leiten oder leuchten. Treiber der Entwicklung sind vor allem kleine und mittlere Unternehmen, die oft mit einem großen Partner kooperieren. Gemeinsam revolutionieren sie gerade die Elektronik-Industrie.

BERLIN. Folien lassen sich nicht nur mit Power-Point-Präsentationen bedrucken, sondern auch mit Displays, Funkchips, Sensoren und Solarzellen. Forscher und Industrie arbeiten an gedruckter Elektronik, die einfach und kostengünstig herzustellen ist. Dass das keine realitätsferne Spinnerei ist, zeigen nicht nur Branchengrößen wie Philips, sondern auch die kleine Fürther Firma PolyIC, die kürzlich erste gedruckte Funketiketten (RFID) und Smart Objekts für den Markenschutz und das Ticketing vorgestellt hat. Entsprechend gut gelaunt ist Geschäftsführer Wolfgang Mildner: „Ein lang gehegter Traum, aus Polymeren elektronische Bauteile herzustellen, geht in Erfüllung. Die Revolution mit gedruckter Elektronik beginnt.“

Das Unternehmen, ein Joint Venture zwischen der Siemens AG und der Leonhard Kurz GmbH & Co. KG, ist weit gediehen und peilt den riesigen Markt für Funketiketten an: „Mit diesen Produkten erreichen wir völlig andere Marktsegmente als herkömmliche RFID-Chips. Denn durch die Drucktechnik werden die Etiketten deutlich günstiger, weswegen dort Elektronik eingesetzt werden kann, wo sie heute noch unwirtschaftlich wäre.“

Denkbar sei, zunächst RFIDs für fünf Cent herzustellen, um dann in einigen Jahren, bei großen Stückzahlen, unter die magische Ein-Cent-Grenze zu kommen. Die Chips wären dann kaum teurer als ein Barcode. Denn die Elektronik würde in hoher Geschwindigkeit, ähnlich wie eine Zeitung, einfach im Rolle-zu-Rolle-Verfahren aufgedruckt.

Möglich wird das, weil sich Polymere wie Druckfarbe flüssig verarbeiten lassen. Mit kristallinem Silizium und einem harten Wafer, aus denen die Chips bislang hergestellt werden, geht das nicht.

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