Porenbrenner
Feuer ohne Flamme

Die Porenbrenner von Jochen Volkert helfen der Industrie, Materialien schnell, effizient und energiesparend zu erhitzen. Und das alles ohne Flamme. Klar, dass diese Art des Einheizens auch für Privathaushalte interessant ist. Noch ist die Technik dafür zu teuer - erste Pilotversuche laufen in einigen Haushalten aber bereits.
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Manche suchen ihre Geschäftsidee in aufwändigem Brainstorming oder groß angelegten Studien. Jochen Volkert fand sie nebenan. Genauer gesagt, in einem Nachbarlabor des Erlanger Lehrstuhls für Strömungsmechanik, an dem der Verfahrenstechniker vor zehn Jahren promovierte. Volkert forschte an Motorentechnologie, die Universitätskollegen an flammloser Verbrennung. Da seine Eltern einen Heizungsbaubetrieb hatten, verfolgte Volkert die Entwicklungen mit Interesse. "Dabei habe ich erkannt, dass da ein Potenzial drinsteckt, das man möglicherweise vermarkten kann", erinnert sich der blonde Franke, der mit Jeans, Pullover und Wanderstiefeln auf den ersten Blick so gar nicht nach Geschäftsführer und Unternehmensgründer aussieht.

Die vom Lehrstuhlinhaber Franz Durst und seinem Mitarbeiter Dimosthenes Trimis entwickelte Porenbrennertechnologie verfügt über interessante Eigenschaften: Gas kann in den vielen kleinen Hohlräumen eines schwammartig aufgebauten Stücks Keramik verbrennen, ohne sich zu einer Flamme zu entzünden. Der chemische Prozess des Verbrennens benötigt nämlich keine Flammen, wie man beim Grillen sehen kann. Flammen sind auch nicht vorteilhaft: Sie sind nur an bestimmten Stellen sehr heiß, die Verbrennung ist daher nicht homogen und nicht effizient. An der Porenbrenneroberfläche wird es dagegen sehr gleichmäßig heiß. Gleichzeitig bietet glühende Keramik große Freiheiten für die Formgebung der Oberfläche.

Diese recht abstrakt klingende Technologie hat bereits viele Anwendungen gefunden, in der Automobil-, Stahl-, Aluminium- und Glasindustrie sowie in der Energiebranche. Gießereien wärmen damit beispielsweise die Formen vor, in denen Aluminiumkolben für Automotoren gegossen werden. Das muss sehr exakt und homogen geschehen, weil sonst die Qualität des Aluminiumgusses leidet. Eine Flamme wirkt zu punktuell, weshalb die Betriebe meist mit Heißluft arbeiten. Ein entsprechend geformter Porenbrenner erhitzt die Formen jedoch wesentlich gleichmäßiger - in einem Viertel der Zeit und mit bis zu 70 Prozent weniger Energie. Klar, dass diese Art des Einheizens auch für Privathaushalte interessant ist. Noch ist die Technik dafür zu teuer, allerdings laufen erste Pilotversuche in einigen Haushalten.

"Die Chance, so eine Basistechnologie in die Hand zu bekommen, hat man nicht oft", sagt Volkert. "Insofern war mir klar, dass es sich lohnt, da ein paar Jahre zu investieren - ich war damals 30 und dachte mir, entweder es klappt oder man lässt es", erzählt der heute 40-Jährige. "Wenn man erst mal 45 oder 50 ist, ist man nicht mehr so risikobereit." Als er sich entschloss, das Wagnis Unternehmen einzugehen, ahnte er nicht, dass ein fast vier Jahre dauernder Parforceritt auf ihn zukommen sollte, den er wohl nur durchhielt, weil er ebenso energiegeladen wie gelassen ist.

Zunächst schrieb der Unternehmensgründer ohne Wissen der Technologie-Erfinder ein Konzept, das prompt beim Businessplanwettbewerb Nordbayern ausgezeichnet wurde. Um Geld von Venture-Capital-Gebern zu werben, musste er die Patentsituation klären, was sich als ausgesprochen schwierig erwies: Nicht nur die Patentinhaber waren zunächst wenig begeistert vom Alleingang ihres Kollegen, auch das juristische Konstrukt der Rechte und der Lizenzen erwies sich als hochkompliziert. "Ich habe in der Zeit quasi eine zusätzliche Ausbildung in Patentwesen, Gesellschafts- und Vertragsrecht bekommen", lacht Volkert. Als er das Problem 2001 endlich gelöst und er Zusagen für über sechs Millionen Euro hatte, kam der Börsencrash: Ein Geldgeber nach dem anderen zog seine Mittel zurück.

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