Prähistorische Spuren
Auf großem Fuß durch die Urzeit

Schädelbruchstücke und Zähne sind oft die einzigen Überbleibsel unserer prähistorischen Verwandtschaft. Da ist es ein Glück, dass einige Urmenschen in grauer Vorzeit barfuß durch den Matsch spazierten und Abdrücke hinterließen, die uns heute mehr über ihre Anatomie verraten. Englische Forscher ist jetzt ein solcher Glücksfund gelungen: 1,5 Millionen Jahre alte Spuren - die ersten Abdrücke, die von „modernen“ Füßen stammen.
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HEIDELBERG. Im Jahr 1978 gelang Andrew Hill ein sensationeller Fund: Bei Ausgrabungen im Laetoli-Gebiet in Tansania stolperte er über versteinerte Fußspuren unserer frühen Vorfahren. Die insgesamt etwa 70 Abdrücke wurden von drei aufrecht gehenden Hominiden hinterlassen, die 3,7 Millionen Jahre zuvor durch feuchte Vulkanasche gestapft waren. Als Verursacher der als Laetoli-Spuren berühmt gewordenen Fährten gilt heute Australopithecus afarensis, eine ausgestorbene Hominidenart, aus der sich vermutlich auch die Gattung Homo entwickelte. Bis heute ist dieser Fund der älteste unbestreitbare Beweis der menschlichen Gangart.

Obwohl wir Australopithecus afarensis heute im Vorbeigehen vermutlich für einen etwas aus der Form geratenen Schimpansen halten würden, ähneln seine Fußabdrücke auf den ersten Blick schon deutlich denen heutiger Menschen, weisen aber einige urtümliche Merkmale auf: Der große Zeh steht noch deutlich ab, und das Längsgewölbe ist nur ansatzweise vorhanden.

Wann die Anpassung der Füße an den aufrechten Gang tatsächlich insgesamt den Status „modern“ erreichte, ist auf Grund des lückenhaften Fossilienbestands umstritten. Matthew Bennett von der englischen Bournemouth University und seine Kollegen stießen nun in Kenia aber auf eine neue heiße Fährte: In der Nähe von Ileret östlich des Turkana-Sees in Kenia entdeckten sie fossile Fußspuren, die eindeutig von anatomisch modernen Füßen stammen.

Vor 1,5 Millionen Jahren wanderten hier Hominiden am Ufer des Sees entlang und hinterließen ihre Abdrücke im feuchten Untergrund aus Ton und Sand. Rasch wurden diese von weiteren Ablagerungen überdeckt. Immer neues Schwemmmaterial sorgte schließlich dafür, dass sich der Schlamm durch den auflastenden Druck verfestigte und so die Spuren dauerhaft konservierte.

Zum Zeitpunkt dieses urzeitlichen Spaziergangs war Australopithecus afarensis allerdings schon längst von der Bildfläche verschwunden. Wer marschierte dann durch die Savanne Ostafrikas?

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