Private Militärfirmen
Von Beruf Söldner

Private Militärfirmen boomen. Der Krieg ist ihr Geschäft, das Töten gehört zu ihren Dienstleistungen, ihre Aufträge erledigen sie diskret. Auf den Schlachtfeldern des 21. Jahrhunderts tauchen immer mehr der modernen Söldner auf. Forscher fürchten um die Zukunft des staatlichen Gewaltmonopols.

GENF. "Kein anderes Gewerbe profitiert in so hohem Maße von den weltweit wachsenden multiplen Schutzbedürfnissen wie die Branche der privaten Sicherheits- und Militäranbieter", heißt es in einer Studie der Universität Tübingen. Doch die Disziplin der internationalen Beziehungen in Deutschland wagt sich nur langsam an den undurchsichtigen Forschungsgegenstand. Erstaunlich ist das schon; denn die hochgerüsteten "Hunde des Krieges" führen eine neue Epoche in der Geschichte des bewaffneten Konflikts ein. Forscher warnen, dass weltweit agierende Militärkonzerne das staatliche Gewaltmonopol untergraben.

In seinem Buch "Krieg als Dienstleistung" zeichnet der Wirtschaftswissenschaftler Rolf Uessler das Bild einer boomenden Branche: Nach seinen Recherchen haben sich weltweit rund 2000 private Militärunternehmen wie Blackwater etabliert; sie erwirtschaften einen Umsatz von 200 Mrd. Euro und können auf 1,5 Millionen Mitarbeiter zurückgreifen. Daneben bieten rund 1,5 Millionen Söldner ihre blutigen Dienste an. Die meisten Firmen haben ihren Sitz in den USA. Die US-Regierung gehört inzwischen zu den größten Auftraggebern: Nach Schätzungen stehen im Irak an der Seite der US-Truppen rund 30 000 Mann privater Sicherheitsfirmen. Das Beziehungsgeflecht der "Private Military Companies" (PMC) erstreckt sich bis auf die höchsten Ebenen. So kontrolliert der Halliburton-Konzern die texanische Bau- und Militärfirma Kellog, Brown & Root. Zwischen 1995 und 2000 lenkte Richard Cheney das Halliburton-Konglomerat - seit 2001 zieht er als US-Vizepräsident die Fäden im Weißen Haus.

Das Angebot der Firmen deckt das gesamte Kriegsgeschehen ab: von Lieferungen des Rasierschaums für die Truppe über Wartung der Kampfflugzeuge bis zur Entsendung von Verhör-Spezialisten. Auch bieten die Firmen Trainingseinheiten an: Cubic aus San Diego etwa erhielt vom US-Verteidigungsministerium den Auftrag, US-Truppen im Häuserkampf fit zu machen.

Natürlich haben die PMC in bester Söldnermanier auch direkt die Finger am Abzug. "Sie kämpfen gegen Guerillas und jagen Terroristen", so Uessler. "In den letzten Jahren sind Tausende von neuen Söldnern getötet und Zehntausende verwundet worden." Beispiel Irak. Im April 2004 eröffneten Aufständische das Feuer auf den US-Stützpunkt in Nadschaf. Die Verteidiger setzten Maschinengewehre und Granatwerfer ein, das Gefecht tobte vier Stunden. Doch kein GI nahm die Angreifer ins Visier; Blackwater-Söldner wehrten die Attacke ab.

Mitunter stehen sich sogar Söldnereinheiten als Gegner gegenüber. So leaste Ende der 90er-Jahre Äthiopien von der russischen Aviation-Firma Sukhoi mehrere Schwadronen Kampfjets inklusive Piloten. Die Äthiopier brauchten im Krieg gegen Eritrea erfahrene Kräfte. Doch Eritreas Generale hatten ebenfalls russische Piloten angeheuert. Diese bizarre Episode schildert der Militärexperte Herbert Wulf, Gründungsdirektor des Internationalen Konversionszentrums in Bonn.

Wieso boomen die Militärunternehmen? "Die Ursachen für diesen Trend sind vielfältig", erklärt Wulf. Zunächst verweist er auf die Angebotsseite: Nach dem Ende des Kalten Kriegs setzten die Streitkräfte in Ost und West Personal frei. "Die Abrüstung in den 90er-Jahren hat nicht nur zu einer Schwemme gebrauchter Waffen geführt, die aus Europa in viele Länder der Welt verkauft oder verschenkt wurden, sondern ebenso einen Überschuss qualifizierten militärischen Personals hervorgebracht."

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