Privatflug ins All vor dem Aus
Russland will Weltraumtourismus beenden

Fünf reiche Privatleute sind bislang mit russischen Sojus-Kapseln ins All geflogen. Jetzt hat die russische Raumfahrtagentur das Ende des Weltraumtourismus angekündigt. Derweil hat der scheidende Präsident Wladimir Putin Russlands Zukunft im Weltraum zur Chefsache gemacht.

HB MOSKAU. Ab 2010 will Russland keine zahlenden Touristen mehr ins All bringen. Wegen des geplanten Ausbaus der Internationalen Raumstation (ISS) und der Vergrößerung der Besatzung böten die „Sojus“-Raumkapseln keinen Platz mehr für zusätzliche Passagiere, sagte der Chef der russischen Raumfahrtbehörde, Anatoli Perminow. Seit 2000 flogen fünf reiche Privatleute zur ISS, was eine dringend benötigte Einnahmequelle für die Raumfahrtbehörde darstellte.

Aufgrund des Booms im Öl- und Rohstoffsektor hat die russische Regierung jedoch zuletzt mehr Geld an die Raumfahrtbehörde überwiesen. Derzeit befinden sich normalerweise drei Astronauten an Bord der ISS, in den kommenden Jahren könnten aber sechs bis neun Besatzungsmitglieder permanent in der ISS sein.

Erst am Donnerstag hatte die Raumkapsel „Sojus TMA-12“ an der ISS angedockt. Mit an Bord war auch erstmals eine Südkoreanerin, die 29-jährige Yi So Yeon. Südkorea zahlte Russland für ihren Platz in der Raumkapsel 20 Mill. Dollar (13 Mill. Euro). Yi bleibt bis zum 19. April in der ISS.

Unterdessen hat der russische Präsident Wladimir Putin angekündigt, das Raumfahrprogramm des Landes deutlich auszubauen. Putin forderte die Regierung am Freitag zum Bau eines neuen Weltraumbahnhofs auf und sprach sich außerdem für die Entwicklung einer neuen Startrakete und die Verbersserung des russischen Satellitenbestandes aus. Russlands garantierter Zugang zum Weltraum müsse gesichert werden, erklärte Putin bei einem Treffen des Sicherheitsrats.

Dazu gehöre, dass sowohl Satelliten, bemannte Raumflüge und Forschungsmissionen von russischem Boden aus starten könnten. Putin kündigte an, den Etat für das Raumfahrtprogramm zu erhöhen und forderte die Behörden auf, den Bau des Weltraumbahnhofs Wostotschni in der Region Amur an der Grenze zu China voranzutreiben. Nach Angaben der russischen Weltraumbehörde soll Wosotschni bis 2015 fertiggestellt sein.

Derzeit nutzt Moskau den Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan und zahlt dafür umgerechnet 73 Millionen Euro jährlich. Der Weltraumbahnhof Plesetsk im Norden des Landes ist für den Start bemannter Raumflüge nicht geeignet, dort werden vor allem militärische Satelliten ins All geschossen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%