Forschung + Innovation
Pro Minute sterben vier Versuchstiere

Alle 15 Sekunden stirbt in Deutschland ein Versuchstier: Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) hat am Montag mehr Alternativen zu Tierversuchen gefordert. Diese Experimente sollten nach Möglichkeit ganz ersetzt werden, sagte sie zur Eröffnung des 5.

dpa BERLIN. Alle 15 Sekunden stirbt in Deutschland ein Versuchstier: Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) hat am Montag mehr Alternativen zu Tierversuchen gefordert. Diese Experimente sollten nach Möglichkeit ganz ersetzt werden, sagte sie zur Eröffnung des 5. Weltkongresses für Alternativen zum Tierversuch in Berlin. „Wir müssen uns fragen: Wo sind Tierversuche wirklich notwendig, um unser Leben sicherer zu machen?“

In deutschen Laboren wurden im Jahr 2003 nach der jüngsten Statistik 2,1 Mill. Tiere für die Forschung „verbraucht“, wie der Deutsche Tierschutzbund betonte. In Berlin diskutieren 850 internationale Experten, wie die Forschung ohne Hunde, Affen, Ratten und Kaninchen auskommen kann.

Künast verlangte, den Tierschutz auch in einer künftigen EU- Verfassung als Ziel festzuschreiben. Den Toxikologen Christoph Helma von der Universität Freiburg zeichnete die Ministerin mit dem mit 15 000 Euro dotierten Tierschutzforschungspreis aus. Helma hat eine Datei entwickelt, die Krebs erregende Stoffe erfasst. Dank dieser Datensammlung können viele Tierversuche vermieden werden.

Nach Darstellung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) entwickeln sich insbesondere in der Kosmetikherstellung derzeit Alternativen zu Tierversuchen. „Wenn das politische Backup da ist, sieht man, wie weit man kommen kann“, sagte BfR-Vizepräsident Reiner Wittkowski. Nach einer EU-Richtlinie sollen Tierversuche mit Kosmetika von 2012 an verboten sein. Die britische Schimpansenforscherin Jane Goodall will sich nach eigenen Worten dafür einsetzen, dass nicht nur wegen der Gesetzgebung Alternativen zu Tierversuchen entstehen, sondern dass diese Entwicklung für die Menschen zu einer „Herzensangelegenheit“ wird.

Bei Medikamenten wird es nach BfR-Darstellung jedoch vorerst nicht ohne Tierversuche gehen, wenn ein lebender Organismus gebraucht wird. Dabei ist Ziel der Forscher, dass die Tiere so wenig wie möglich leiden sollen. Laut einer EU-Richtlinie muss immer dann auf Tierversuche verzichtet werden, wenn es eine Alternative gibt.

Tierschutzorganisationen stellten auf dem Kongress eine gemeinsame Resolution vor. Damit forderten sie, weltweit auf Versuche an Affen zu verzichten. Die Tierschützer zeigten sich besorgt, dass Fortschritte in der Alternativenforschung und ihrer Anerkennung nur sehr langsam vorangingen. So werden nach Angaben des Tierschutzbundes in der EU jedes Jahr immer noch mehr als zehn Mill. Mäuse, Ratten, Fische, Hunde, Affen und andere Tiere für Versuche benutzt.

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