Probiotika
Mit Bakterien gegen Karies

Kosmetik- und Pharmahersteller wollen mit probiotischen Zusätzen in Cremes gesundheitsbewusste Konsumenten ködern. Winzige Bakterien könnten beispielsweise helfen, Karies im Mund oder Entzündungen in der Haut vorzubeugen.
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BERLIN. Das Essen von Joghurt ist zwar per se gesund, durch Zusatz von Milchsäurebakterien können jedoch außerdem die Abwehrkräfte gestärkt werden. Das zumindest behaupten Lebensmittelhersteller wie Danone oder Nestlé - und verdienen seit Jahren ordentlich mit ihren probiotischen Milchprodukten. Für Danone sind Produkte mit "Lactobacillus casei defensis", die neben dem Immunsystem den trägen Darm mobilisieren, die stärksten Umsatzträger.

Von den gesundheitsfördernden Mikroorganismen hoffen bald auch andere Branchen zu profitieren. Kosmetik- und Pharmafirmen wollen Probiotika nutzen, um Karies im Mund und Entzündungen in der Haut vorzubeugen. Das Start-up OrganoBalance, im Berliner Wedding gelegen, hat sich auf die Suche nach den gesundheitsfördernden Mikroorganismen spezialisiert. "Das Konzept der Probiotika erfasst zunehmend auch andere Bereiche, wobei der originäre Begriff auf den Bereich der Nahrungsmittel beschränkt bleiben wird", sagt Unternehmensgründerin Christine Lang. Marketingleiter von Pharma- und Kosmetikherstellern hätten schon für die neuen Produkte Wortschöpfungen wie "Pharmabiotik" oder "Kosmebiotik" ersonnen, so die Mikrobiologin.

Ein erstes Produkt dieser Gattung ist jedenfalls schon entwickelt: OrganoBalance und BASF Future Business präsentierten bei der diesjährigen Konferenz der International Association of Dental Research in Miami das Mundpflegeprodukt "Pro-taction" gegen Karies. Milchsäurebakterien vom Typus "Lactobacillus paracasei" übernehmen darin die Zahnreinigung. "Die Mikroorganismen heften sich an den Karieserreger ,Streptococcus mutans?, verklumpen mit ihm und werden durch Umspülen mit Wasser aus dem Mund entfernt", erklärt Maren Bauer, Projektmanagerin bei BASF Future Business in Ludwigshafen.

Toxikologe Jason Tanzer vom Gesundheitszentrum der University of Connecticut testete das probiotische Produkt an Ratten, deren Zähne er mit Kariesbakterien infizierte. Die Tiere wurden mit einer zuckerhaltigen Nahrung zur Beschleunigung der Karies gefüttert. Ein Teil erhielt zusätzlich auch die schützenden Bakterien. Nach drei Wochen nahm Tanzer die Beißer erneut unter die Lupe. Das Probiotikum hatte die Zahl der Karieskeime um 40 Prozent reduziert. Die Zähne waren gesünder als die der Kontrolltiere.

"Das war richtig aufregend", erzählt Tanzer. Er betont, dass mit Zucker gefütterte und künstlich infizierte Ratten ein gutes Abbild für menschliche Karies liefern. Gleichwohl darf man sich von dem Test allein noch keinen Schutz vor Karies versprechen, so Bauer. Dies müsste erst in klinischen Studien nachgewiesen werden, zumal die Zahnfäule auch von anderen Faktoren wie der Härte des Schmelzes und der Ernährung beeinflusst wird.

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