Produktpiraterie
High Tech verhindert den Ideenklau

Nicht nur Sportartikel- und Modehersteller kämpfen gegen dreiste Kopien, auch beim Maschinen- und Anlagenbau sorgen Fälschungen immer häufiger für Einbußen. Wie hoch der Aufwand ist, mit dem sich die Branche gegen Angriffe von Produktpiraten zur Wehr setzt, lässt sich derzeit auf der Hannover Messe begutachten.
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DÜSSELDORF. Die Welt kann ungerecht sein. Wenn Service-Techniker des Augsburger Motorenherstellers MAN Diesel in fernen Ländern unterwegs sind, bekommen sie regelmäßig den Frust der Kunden zu spüren. Dabei trifft ihren Arbeitgeber oft keine Schuld, wenn etwa ein Schiffsantrieb stottert. "Bei Wartungs- oder Reparaturanfragen bemerken wir immer wieder, dass Kunden nicht unsere Originalteile eingesetzt, sondern Nachbauten gekauft haben", sagt Stephan Timmermann, Vorstand bei MAN Diesel. Vor allem Ventile, Kolben, Dichtungen und Zylinder bauen Produktpiraten massenhaft nach und verkaufen sie über das Internet.

Gefälschte Produkte, nachgeahmte Ideen - nicht nur Sportartikel- und Modekonzerne wie Adidas oder Hugo Boss kämpfen gegen dreiste Kopien. Auch beim Anlagen- und Maschinenbau sorgen Fälschungen zunehmend für Einbußen. Um zwei Mrd. Euro ist der Schaden für deutsche Anbieter laut Branchenverband VDMA allein im Jahr 2008 gestiegen - auf sieben Mrd. Euro. Ausgeklügelte Technik soll Produktpiraten nun stoppen. "Hochwertige Produkte werden verstärkt mit High Tech abgesichert", sagt Oliver Köster, Wissenschaftler am Heinz Nixdorf Institut der Universität Paderborn.

Um die eigenen Ideen zu schützen, nutzt MAN Diesel nicht nur umfassende Patente, juristische Mittel und Aufklärungskampagnen gegen gefälschte Schnäppchen. Die Anlagen selbst sollen fälschungssicher sein. Die Motoren der Augsburger sind mittlerweile elektronisch gesteuerte Hochdruckeinspritzer. Einzelteile kann ein Fälscher möglicherweise noch nachfräsen. Doch ohne die Steuerkomponente funktionieren die sogenannten Common-Rail-Einspritzer nicht. "Die Elektronifizierung ist eine Möglichkeit, einen wesentlichen Bestandteil unseres Know-hows zu schützen", sagt Stephan Timmermann.

Parallel setzt MAN Diesel auf Barcodes, die mit Lasern auf den Oberflächen von Ventilen oder Kolben eingebrannt sind. Selbst optisch kaum von den Originalen zu unterscheidende Nachbauten werden so leicht entdeckt. Denn während die Billig-Konkurrenz viele Dreh- und Fräseverfahren imitieren kann, übersteigen Laserprägungen ihre technischen Möglichkeiten.

Solche Geräte entwickelt beispielsweise Agni-Laser aus Petersberg bei Jena. Das Unternehmen stellt auf der Hannover Messe die mobile Variante eines Lasers vor. "Maschinenbauer können das Gerät aber auch in ihre Produktionsstraße integrieren", sagt Peter Schorcht, Geschäftsführer des 2007 gegründeten Start-ups. Ein Elektronik-Hersteller nutzt die Laser, um seine Produkte unauffällig zu kennzeichnen. "Das sieht aus wie ein Kratzer", sagt Schorcht. "Erst unter dem Mikroskop erkennt man das Firmenlogo."

Der hohe Aufwand ist nötig, weil die Produktpiraten selbst komplexe Maschinen ins Visier nehmen. Sie konzentrieren sich dann beispielsweise auf den Nachbau von Verschleißteilen. "Oft reicht ein Digitalfoto, um eine billige Kopie zu fertigen", sagt Köster. Als Beispiel nennt er Flugzeugturbinen. Die gesamte Maschine kopieren die Fälscher nicht - wohl aber die verschleißanfälligen und als Originalteil recht teuren Schaufeln darin.

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