Projekt Solid
Oasen des Lebens tief im Wüstenboden

Tief im Boden einer der lebensfeindlichsten Wüsten der Erde haben Wissenschaftler Leben nachgewiesen. Ihre Methode könnte helfen, Lebensspuren auf anderen Planeten nachzuweisen.
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DüsseldorfZwei Meter unter der Oberfläche der chilenischen Atacama-Wüste, einer der trockensten Zonen unseres Planeten, tummelt sich das Leben. Mit einem neuen Detektor namens Solid (Signs of Life Detector) kamen Wissenschaftler um Victor Parro vom Zentrum für Astrobiologie in Madrid einer unterirdischen Oase für Mikroorganismen auf die Spur. Vergleichbare Techniken hoffen die Forscher einmal bei der Suche nach Lebensformen tief im Boden unseres Nachbarplaneten Mars einsetzen zu können.

Das Herzstück von Solid ist ein Biochip, der verschiedene Komponenten aufspürt, die auf das Vorhandensein von biologischem Material schließen lassen – etwa Erbgutspuren oder bestimmte Proteine. Damit gelang es dem Team, Bakterien und sogenannte Archaeen – eine urtümliche Form von Mikroben – im Untergrund der Wüste nachzuweisen.

Dass die Einzeller in den lichtlosen Tiefen ohne Sauerstoff überhaupt überleben können, verdanken sie ihrer Fähigkeit, bestimmte im Boden vorhandene Substanzen - etwa Essigsäure - für ihren Energiestoffwechsel zu nutzen. Das lebenswichtige Wasser lagert sich in Form eines dünnen Films an den reichlich im Boden vorhandenen Salzkristallen an und kann so von den Mikroben genutzt werden.

„Wenn es vergleichbare Mikroben auf dem Mars gibt, könnten wir sie mit einem Instrument wie Solid entdecken“, so Parro. Und selbst wenn es heute kein Leben mehr auf dem Roten Planeten gäbe, ließen sich mit dem Instrument Spuren vergangener Lebensformen tief im Marsboden nachweisen, ist der Forscher überzeugt.

Die Kosten für die Entwicklung einer für den Einsatz im All tauglichen Version seines Instruments beziffert Parro auf 15 Millionen US-Dollar. Ob der Detektor wie geplant im Jahr 2018 auf die Reise zum Mars geschickt wird, ist allerdings noch offen: Erst vor wenigen Tagen hat sich die US-Weltraumbehörde Nasa aus einem gemeinsamen Marsprojekt mit der europäischen Weltraumagentur Esa zurückgezogen. Und gegen eine Aufstockung der Esa-Mittel um den damit fehlenden Betrag sperrt sich derzeit vor allem Deutschland.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik

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