Projekt Zephyr Öko-Rakete fliegt mit Kerzenwachs

Vier Jahre haben Bremer Studenten getüftelt, getestet und gefeilt. Nun soll ihre mit Kerzenwachs angetriebene Rakete abheben. Der Start vom europäischen Weltraumbahnhof Esrange wird im Internet live übertragen.
Die in Bremen entwickelte Rakete nutzt Paraffin, also Kerzenwachs, als Treibstoff. Quelle: dpa
Zephyr-Rakete

Die in Bremen entwickelte Rakete nutzt Paraffin, also Kerzenwachs, als Treibstoff.

(Foto: dpa)

Bremen/KirunaRund sechs Minuten soll die Öko-Rakete „Zephyr“ fliegen und eine Höhe von vier bis acht Kilometern erreichen. Der Tages-Countdown für den Start vom europäischen Weltraumbahnhof Esrange im nordschwedischen Kiruna läuft schon. „Eine genaue Uhrzeit für Dienstag (12.04.) haben wir noch nicht, das hängt auch von den Wetterbedingungen ab“, sagte Projektleiter Peter Rickmers, der schon im tief verschneiten Kiruna ist.

Das Besondere an der Rakete: Sie nutzt Paraffin, also Kerzenwachs, als Treibstoff. Er soll dann in Kombination mit flüssigem Sauerstoff genügend Schubkraft und Energie freisetzen, um eine 80 Kilogramm schwere und 3,8 Meter lange Forschungsrakete mit Schallgeschwindigkeit auf mindestens 4000 Meter Höhe zu bringen. Das sei der „Öko-Raketenantrieb der Zukunft“, meinen die Bremer. Soweit die Theorie - der Praxistest folgt am Dienstag und ist live im Netz zu sehen.

Die Spur führt ins All
Spur ins All
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Eine leuchtende Spur zeichnet die Atlas-Rakete nach ihrem Start von Cape Canaveral in Florida. Die Rakete bringt einen unbemannten Raumtransporter mit Nachschub für die Raumstation ISS auf den Weg. Obwohl solche Versorgungsflüge längst Routine sind, geht gerade von nächtlichen Raketenstarts immer noch eine große Faszination aus.

Schallmauer durchbrochen
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Mit einer speziellen Fototechnik, der Schlierenfotografie, wurde diese Aufnahme gemacht. Sie macht die Schockwellen sichtbar, die auftreten, wenn ein Überschalljet die Schallmauer durchbricht.

Moderne Kunst 1
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Kein abstraktes Gemälde, sondern Riffs vor der Küste der Bahamas zeigt dieses Bild, das Astronauten der Raumstation ISS machten. Bei den kräftigen blauen Linien zwischen den Riffs handelt es sich um Priele - Wasserläufe, die ihr Entstehen den Gezeiten verdanken.

Moderne Kunst 2
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Auch dieses abstrakte "Gemälde" wurde von der ISS ausgemacht. Die Astronauten fotografierten ein Gebiet in Australien, über das die Raumstation gerade hinweg zog.

Selfie im All
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"Warum eigentlich immer nur die Erde fotografieren?" dachte sich US-Astronaut Scott Kelly und richtete während eines Weltraumspaziergangs seine Kamera mal auf sich selbst.

Rücksturz zur Erde
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Friedlich schwebt die Sojus-Raumkapsel am Fallschirm zurück zur Erde. Mit an Bord: Die Raumfahrer Scott Kelly und Michail Kornienko, die mehr als ein Jahr auf der Raumstation ISS verbracht hatten.

Aufbruch ins All
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In die andere Richtung ging es im Juni 1983 für Sally Ride, die an Bord des Spaceshuttles Challenger als erste US-Amerikanerin ins All flog.

30 bis 40 Studentinnen und Studenten arbeiteten an dem Projekt, das über das STERN-Programm des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gesponsert wurde. „Das erste Ziel des Projekts war Ausbildung“, beschreibt Rickmers (36), der am Zentrum für angewandte Raumfahrtechnologie und Mikrogravitation (Zarm) der Uni Bremen forscht, den Ansatz.

Kerzenwachs hat im Vergleich zu den herkömmlichen Antriebsstoffen in der Raumfahrt einen großen Vorteil: Die Explosionsgefahr ist faktisch nicht vorhanden. Paraffin könne aber ungeahnte Kräfte entwickeln. Zwar wurden dem Treibstoff noch kleinere Zusatzstoffe wie Palmöl beigemischt. „Aber im Grundsatz handelt es sich zu 99 Prozent um ganz normalen Wachs von Kerzen, wie sie etwa bei Ikea gekauft werden können“, so Rickmers, der übrigens zu den besten deutschen Curlern zählt und 2014 an den Olympischen Spielen in Sotschi teilnahm.

Im Fokus des Raketenprojekts stand der ausgeklügelte Hybridantrieb, der von Grund auf neu konzipiert wurde. 30 Triebwerkstests mussten absolviert werden. Das „Zephyr“-Team stellte die Schubdüsen aus einer Mischung von Baumwolle und Harz her, setzte einen 3D-Drucker ein, um die Kosten der Bauteile gering zu halten und fertigte teure Sauerstoffventile selbst an. Der Fallschirm, der die Rakete nach dem Flug wieder sicher zu Erde bringen soll, stammt aus dem Outdoor-Freizeitbereich.

Das Unterfangen gilt unabhängig vom Ausgang des Raketen-Programms schon jetzt als gelungen: Über 35 Bachelor- und Masterarbeiten seien im Rahmen des „Zephyr“-Projektes entstanden und dies sei aus Sicht der universitären Lehre ein Erfolgsmodell.

  • dpa
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