Proxima Centauri Tödliche Strahlendusche für einen Planeten

Unser Nachbarstern Proxima Centauri ist für den ihn umkreisenden Planeten wohl keine lebensspendende Sonne, sondern eine tödliche Strahlungsquelle.
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Die Illustration der europäischen Südsternwarte Eso zeigt Proxima Centauri am Himmel über dem Planeten Proxima b. Heftige Strahlungsausbrüche des Sterns machen den Planeten wohl zu einer lebensfeindlichen Welt. Quelle: AFP
Tödliche Strahlungsquelle

Die Illustration der europäischen Südsternwarte Eso zeigt Proxima Centauri am Himmel über dem Planeten Proxima b. Heftige Strahlungsausbrüche des Sterns machen den Planeten wohl zu einer lebensfeindlichen Welt.

(Foto: AFP)

BerlinDas Sonnensystem von Proxima Centauri ist ein Liebling der Astronomen: Der Stern ist der nächste Nachbar unserer Sonne und wird von mindestens einem erdgroßen Exoplaneten namens Proxima b umkreist – was Proxima Centauri zu einem optimalen Forschungskandidaten macht.

Dass sich der Planet in einer Entfernung um seinen Stern bewegt, in der Wasser weder verdampfen noch zu Eis erstarren würde, hat die Phantasie der Weltraum-Experten zusätzlich befeuert – flüssiges Wasser gilt als eine der Voraussetzungen für die Entstehung von Leben, wie wir es kennen. Doch leider ist Proxima Centauri offenbar auch Schauplatz gewaltiger stellarer Eruptionen, und die sind für extraterrestrische Lebensformen höchst unbekömmlich.

Obwohl der Stern nur zirka ein Achtel der Masse unserer Sonne besitzt, kam es – wie Forscher in The Astrophysical Journal Letters berichten – am 24. März 2017 zu einem Strahlungsausbruch, der zehnmal leuchtstärker war als alle bisher auf der Sonne nachgewiesenen. Ein derart intensiver Flare – so der Fachbegriff für solche stellaren Eruptionen – werfe die Frage auf, ob Planeten im Umfeld des Sterns überhaupt Leben tragen könnten, so die Astronomin Meredith MacGregor, die zum Autorenteam der Untersuchung gehörte.

Neu entdeckte Planeten sind Kandidaten für Leben im All
Sieben erdähnliche Planeten entdeckt
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Astronomen haben sieben erdähnliche Planeten bei einem Roten Zwergstern in unserer kosmischen Nachbarschaft aufgespürt. Sechs dieser Exoplaneten liegen in einer Temperaturzone, in der Wasser flüssig sein kann – eine Voraussetzung für Leben, wie wir es kennen.

Planetensystem Trappist-1
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Drei der Planeten könnten sogar Ozeane auf ihrer Oberfläche besitzen, sofern sie erdähnliche Atmosphären haben, schreiben die Forscher um Michaël Gillon von der Universität Liège (Lüttich) im britischen Fachblatt „Nature“. Damit gehört das Sonnensystem des Roten Zwergs namens Trappist-1 zu den aussichtsreichsten Orten für die Suche nach außerirdischem Leben. Hinweise darauf haben die Forscher aber nicht.

40 Lichtjahre entfernt
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Das Zwergsternsystem liegt knapp 40 Lichtjahre entfernt und damit nach kosmischen Maßstäben praktisch vor unserer Haustür. Trotzdem würden irdische Raumsonden für eine Reise dorthin Jahrtausende benötigen.

Umlaufbahnen der Planeten von Trappist-1
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Drei der Exoplaneten hatte dasselbe Team bereits 2016 beschrieben. Es war der erste Fund von Exoplaneten bei einem Roten Zwergstern, einem der häufigsten Sterntypen in unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße. Weitere vier Planeten dieses Sterns haben die Forscher nun durch sorgfältige Nachbeobachtung entdeckt. Alle sieben sind ungefähr so groß wie die Erde und wahrscheinlich Gesteinsplaneten. (Foto: IoA/Amanda Smith)

Vergleich Trappist-1 mit den Gesteinsplaneten des Sonnensystems
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Der Zwergstern, den diese Planeten umkreisen, hat lediglich acht Prozent der Masse unserer Sonne. Er ist nicht einmal halb so heiß, wodurch auf seinen Planeten trotz ihrer engen Umlaufbahnen gemäßigte Temperaturen herrschen. Die inneren sechs Trabanten umrunden ihren Stern in 1,5 bis 12 Tagen, die Umlaufzeit des äußersten Planeten ließ sich noch nicht genau bestimmen. (Foto: NASA/JPL-Caltech)

Exoplanet Kepler-1647b
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Bislang haben Astronomen über 3500 Exoplaneten - also Planeten außerhalb unseres Sonnensystems - registriert. Einer der interessantesten ist Kepler-1647b (als schwarzer Punkt im Zentrum des Bildes vor seinen beiden Sternen dargestellt), der bislang größte Exoplanet, der gleich zwei Sterne umkreist. Ihn entdeckten Wissenschaftler vor einiger Zeit mit Hilfe des Weltraumteleskops Kepler. Kepler-1647b hat ungefähr die Größe von Jupiter, einer seiner beiden Sterne ist etwas größer, der andere etwas kleiner als unsere Sonne.

Exoplanet Kepler-1647b (künstlerische Darstellung)
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Planeten, die ein Doppelsternsystem umkreisen, werden auch als „Tatooine“ bezeichnet, in Anlehnung an den Namen des fiktiven Heimatplaneten von Luke Skywalker aus der Star-Wars-Saga, der ebenfalls um ein Sonnenpaar kreist. Kepler-1647b ist rund 3700 Lichtjahre von der Erde entfernt. Für einen kompletten Umlauf um seine beiden Sterne benötigt er 1107 Erdentagen.

Der Flare habe die Helligkeit von Proxima Centauri innerhalb von zehn Sekunden um das Tausendfache gesteigert, berichten die Wissenschaftler. Dem heftigen Ausbruch ging zudem ein kleinerer voraus, so dass das gesamte Ereignis rund zwei Minute gedauert hat. „Es ist wahrscheinlich, dass Proxima b während des Flares von hochenergetischer Strahlung getroffen wurde“, so MacGregor.

Das von ihr entworfene Szenario für Proxima B lässt wenig Raum für Alien-Spekulationen: „In den Milliarden Jahren, seit sich der Planet gebildet hat, haben derartige Flares wahrscheinlich seine Atmosphäre verdampft und die Oberfläche sterilisiert.“ Diese tödliche Strahlendusche dürfte jeden Ansatz zur Entstehung von Leben im Keim erstickt haben.

Derart heftige Eruptionen entwickeln sich, wenn Verschiebungen im Magnetfeld des Sterns die vorhandenen Elektronen so stark beschleunigen, dass sie fast Lichtgeschwindigkeit erreichen. Diese wechselwirken dann mit dem stark aufgeladenen ionisierten Gas, aus dem der Stern überwiegend besteht – was schließlich die Eruption auslöst.

Die neuen Daten der Astronomen widerlegen zudem Vermutungen, dass es einen Staubgürtel um Proxima Centauri gibt, der wiederum auf weitere Planeten hingedeutet hätte. „Es gibt keinen Grund mehr zu vermuten, dass es eine größere Menge Staub rund um diesen Stern gibt“, so die Koautorin Alycia Weinberger.

Nichts deute momentan darauf hin, dass das System so planetenreich wie unser Sonnensystem sei, so das Fazit der Forscher. Die Astronomen müssen nun wohl ihr Augenmerkbei der Suche nach einer zweiten Erde auf andere Kandidaten richten.

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  • Säugetiere, Vögel (Dinos) sind sehr strahlenempfindlich. Ältere Lebewesen wie Insekten, Bakterien können mehrere Dimensionen höhere Strahlendosen vertragen als Menschen. Wasser absorbiert Strahlung sehr gut, so das Wasserlebewesen gut geschützt sind. Insofern müssen für Landsäugetiere tödliche Strahlendosen kein Hindernis für exterrestisches Leben darstellen.

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