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Psychiater: Behandlung psychisch Kranker gefährdet

Die Behandlung psychisch kranker Menschen in Deutschland ist nach Einschätzung von Fachärzten gefährdet. Es stehe zu wenig Geld für die 1,9 Mill.

dpa HAMBURG. Die Behandlung psychisch kranker Menschen in Deutschland ist nach Einschätzung von Fachärzten gefährdet. Es stehe zu wenig Geld für die 1,9 Mill. Patienten bereit, kritisierte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (Dgppn), Fritz Hohagen, am Sonntag.

In einer in Hamburg veröffentlichten Erklärung warnte der Lübecker Professor vor den Folgekosten bei wegbrechender ambulanter Behandlung.

So stünden seit dem 1. April pro Quartal und Patient 40 Euro zur Verfügung. Damit könne ein behandelnder Arzt seinen Patienten nur noch durchschnittlich zwei Mal in drei Monaten für insgesamt 40 Minuten sehen. „Eine ausreichende medizinische Behandlung bei schweren psychischen Erkrankungen ist dadurch nicht mehr möglich“, sagte Hohagen, der die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der medizinischen Universität zu Lübeck leitet. „Besonders dramatisch ist die Situation in den neuen Bundesländern.“ Dort gebe es bereits keine flächendeckende Versorgung mehr. „Dieser Entwicklung müssen wir gegensteuern, sonst bleiben unsere Patienten auf der Strecke“, forderte der Professor.

Nach Angaben der Dgppn wird die Zahl der psychischen Erkrankungen in Deutschland weiter steigen. Das mache sich in den Unternehmen bemerkbar. Während die Zahl der Krankheitstage bei Arbeitnehmern insgesamt rückläufig sei, steige der Anteil psychischer Erkrankungen als Ursache für Krankschreibungen. Aktuell liege er bei zehn Prozent. „Alarmierend ist vor allem, dass psychische Erkrankungen bei jüngeren Menschen am stärksten zunehmen“, sagte Hohagen. Angststörungen und Depressionen seien Volkskrankheiten geworden.

Hohagen forderte mehr Geld für die ambulante Behandlung. Er sagte voraus, dass sonst die Zahl der Klinikeinweisungen, Krankschreibungen und Frühverrentungen stark zunehmen werde. „Wir befinden uns auf einem Weg, der dazu führt, dass die Kosten, die psychische Krankheiten insgesamt verursachen, deutlich nach oben gehen.“

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