Psychologie
Erinnerungen an die Beatles

Für den Dichter Jean Paul war Erinnerung „das einzige Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann“. Offenbar ist vor allem das Ohr ein besonders sensibles Sinnesorgan, wenn es um Erinnerungen geht – vor allem, wenn es mit Musik der Beatles bearbeitet wurde. Das zeigt jetzt eine Studie britischer Psychologen.

LIVERPOOL. Martin Conway und Catriona Morrison von der University of Leeds sammelten im Rahmen eines Internet-Projektes Erinnerungen an die wohl erfolgreichste und einflussreichste Band aller Zeiten. Die Wissenschaftler waren überrascht, wie lebendig die meist rund 40 Jahre alten Erinnerungen im Zusammenhang mit den Beatles und ihren Liedern und Filmen waren. Das berichteten sie auf dem Festival der „British Association of the Advancement of Science“ in Liverpool, der aktuellen europäischen Kulturhauptstadt und Heimatstadt der Beatles.

Die Erinnerungen können auf der Web-Seite www.magicalmemorytour.com eingesehen – und um eigene ergänzt – werden. Mehr als 3 000 Beiträge aus 69 Ländern gingen bisher ein. Die Erinnernden sind zwischen 17 und 87 Jahre alt, die meisten zwischen 55 und 65, Menschen also, die die 60er-Jahre als Jugendliche oder junge Erwachsene erlebten. Entsprechend bezogen sich auch die meisten aufgezeichneten Erinnerungen auf die eigene Teenagerzeit. Die Psychologen vermuten daher, dass Musik generell – zumindest aber Beatles-Melodien – vor allem für die Speicherung von frühen Erinnerungen bedeutsam sei.

Überrascht zeigte Psychologin Morrison sich nicht nur von der Masse der Erinnerungen, die durch die Beatles-Eindrücke zutage kamen, sondern auch von deren Intensität. „Wir waren so beeindruckt, wie lebhaft Menschen Erinnerungen abgerufen haben, die manchmal auf Ereignisse vor über 40 Jahren zurückgingen. Dies zeigt die Macht von Musik beim Formen und Wiedererleben von manchmal lange vernachlässigten Erinnerungen“, erklärt Catriona Morrison. „Wir waren sehr interessiert daran, die verschiedenen Niveaus von Emotionalität zu untersuchen. Ursprünglich hatten wir gedacht, dass Frauen die emotionaleren Erinnerungen hätten. Doch dies ist durch die Daten nicht unterstützt worden.“

Deutliche Unterschiede ließen sich aber nach der Nationalität der Erinnernden feststellen. Unter den teilnehmenden Briten war „She Loves You“ mit besonders vielen persönlichen Erinnerungen verbunden. Amerikaner erinnerten sich vor allem an Erlebnisse in Verbindung mit „I Want to Hold Your Hand“ und Australier dachten am häufigsten an Ereignisse in Zusammenhang mit „A Hard Day’s Night“.

Die zahlreichen eingesandten Erinnerungen an die Nachricht von John Lennons Ermordung 1980 zeigen, wie intensiv sich viele Menschen nicht nur mit den Liedern, sondern auch mit den vier Musikern selbst verbunden fühlten. Morrisson spricht daher von den Beatles als einer „Kraft im Leben der Menschen“. Völlig emotionslos und distanziert stehen auch die Psychologen ihrem Forschungsgegenstand offenbar nicht gegenüber.

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