Quälende Schmerzen
Schmerzschrittmacher als letzte Rettung

70 Prozent der deutschen Bevölkerung leiden an Rückenschmerzen. Obwohl sich die meisten von ihnen nur gelegentlich mit den Schmerzen im Kreuz herumplagen, verschwinden bei etwa jedem Sechsten die Qualen selbst nach Monaten nicht. Diesem unerträglichen Zustand kann nun ein Gerät ein Ende setzen.

DÜSSELDORF. Wenn chronische Rückenschmerzen – also Beschwerden, die länger als sechs Monate andauern, auch nach der Behandlung mit modernen Verfahren nicht verschwinden – kann ein sogenannter Schmerzschrittmacher dauerhaft Linderung verschaffen. Das Prinzip: Eine Rückenmarkstimulation hemmt die Weiterleitung des Schmerz zum Gehirn.

Der 40-jährige Rettungsassistent Michael Lähndorf litt trotz starker Medikamente nach einer Bandscheibenoperation an unerträglichen Beinschmerzen, so dass er weder arbeiten noch schlafen konnte. Nach einer Odyssee von einem Arzt zum anderen, überwies ihn schließlich ein Neurologe ins Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck. Dirk Rasche, Oberarzt der Neurochirurgie, implantierte Lähndorf einen Schmerzschrittmacher. Die Schmerzen ließen unmittelbar nach dem Eingriff nach und er fühlt sich jetzt wie neugeboren.

Bei einer solchen Operation werden in der Wirbelsäule Elektroden platziert, die schwache Impulse an das Rückenmark abgeben. Diese Impulse im Bereich des Rückenmarks hemmen die Weiterleitung von Schmerzreizen an das Gehirn. „Der Patient empfindet im Bereich der Schmerzen ein angenehmes Kribbeln“, beschreibt Rasche den Effekt.

Schmerzschrittmacher ähneln in vielerlei Beziehungen einem Herzschrittmacher. Sie bestehen ebenfalls aus zwei Teilen: einem batteriegetriebenen, elektronischem Impulsgeber und einer (oder zwei) damit verbundenen Elektroden. Der Impulsgeber wird im Bauchbereich in eine Hauttasche implantiert. Der flexible Draht der Elektrode wird auf die Rückenmarkshaut platziert und beeinflusst durch elektrische Reize die Weiterleitung von Schmerzimpulsen an das Gehirn und damit deren Wahrnehmung.

Schmerzstimulatoren gibt seit über 20 Jahren. Sie wurden jedoch ständig weiterentwickelt. Aktuelle Geräte wie sie beispielsweise von der amerikanischen Firma Medtronic angeboten werden, können von außen aufgeladen werden. Der Akku hält bis zu zehn Jahre. Das ist ein entscheidender Fortschritt, denn bei älteren Geräte müssen die Impulsgeber bei Batterieerschöpfung alle zwei bis fünf Jahre gewechselt werden – der Stimulator bei einer kleinen Operation durch einen neuen Impulsgeber ersetzt werden.

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