Qualität des Weines 2003 übertrifft alle Erwartungen
Im Weinbau arbeiten künftig auch Roboter

Der Jahrhundertsommer hat zu einem Spitzenjahrgangswein 2003 geführt. Die Qualität des Weines habe die Erwartungen der Winzer deutlich übertroffen, meldete am Donnerstag das Deutsche Weininstitut. Viele überragende Weine dieses Jahrgangs seien über mehrere Jahrzehnte lagerfähig, sagte Armin Göring, Geschäftsführer des Instituts. Einziger Wermutstropfen: Der Ertrag liegt mit insgesamt rund acht Mill. Hektolitern um 20 bis 30 % unter dem Durchschnitt.

DÜSSELDORF. Den Superweinen 2003 eilt zwar ein großer Ruf voraus, dennoch rechnen die Winzer nicht mit außergewöhnlichen Preissprüngen. Höhere Gewinne können sie derzeit allenfalls durch eine Reduzierung der Lohnkosten erzielen. Der Drang zur Mechanisierung im Weinbau ist daher groß. Das gilt vor allem für Weinbaugebiete an so genannten Steillagen, die mit insgesamt rund 15 000 Hektar immerhin knapp 15 % der gesamten Weinbaufläche in Deutschland darstellen.

Weinbau an Steillagen, beispielsweise Mosel-Saar-Ruwer oder Mittelrhein, ist im Vergleich zur flachen Ebene in den vergangenen Jahren immer unattraktiver, weil unwirtschaftlicher geworden. Während in der Ebene der maschinelle Traubenvollernter durch die Rebgänge fährt und die Trauben fast selbstständig pflückt, ist am Hang fast alles Handarbeit. Die Bewirtschaftung an Steillagen dauert im Schnitt vier Mal so lange wie in flachen Gebieten – und ist dementsprechend teurer.

Um die Arbeit an Steillagen stärker zu mechanisieren, wird seit einiger Zeit das so genannte Seilzugmechanisierungssystem erprobt. Dabei ist auf dem Weinberg ein Schlepper mit einer Winde installiert, über die ein Seil läuft, an dem ein selbstfahrendes Gerät angeschlossen ist. Ein Arbeiter sitzt auf dem Gerät, fährt damit den Rebgang entlang und erledigt die anfallenden Arbeiten, beispielsweise den Laubschnitt. Die Seilwinde zum Vor- oder Rückwärtsfahren bedient er über Funk.

Derartige Maschinen seien vor allem für größere Betriebe von Interesse, betont Ernst Büscher, Pressesprecher des Weininstituts. Allerdings zeichne sich gerade der Weinbau an Steillagen durch eine kleine Parzellierung aus: Betriebe mit einer Anbaufläche von nur wenigen Quadratmetern seien keine Seltenheit. Büscher rät in solchen Fällen zu Betriebskooperationen.

Der nächste Schritt in der Mechanisierung ist die Satellitennavigation GPS, über die das Seilmechanisierungssystem künftig gesteuert werden soll. Erste Versuche mit GPS laufen bereits – von der Universität in Gießen werden sie als erfolgsversprechend beurteilt. Die Satellitennavigation sei auch wichtig, wenn es um das so genannte Precision Farming gehe, sagt Gerhard Bäcker, Weinbautechniker an der Forschungsanstalt Geisenheim. Dahinter verberge sich der Trend in der Landwirtschaft, den Boden ganz präzise nach seinen jeweiligen Bedürfnissen zu düngen und mit Pflanzenschutzmitteln zu bearbeiten.

Als Zukunftsperspektive gilt derzeit der führerlose Betrieb von Landmaschinen. In etwa zehn Jahren, schätzt Bäcker, könnten solche Maschinen völlig autonom durch die Rebgassen fahren. Dieser Einsatz sei vor allem in Steillagen interessant, wo die Bearbeitung des Bodens ungleich anstrengender sei als in der Ebene. Einwände von Winzern, die Reben seien viel zu kostbar, um zwischen ihnen eine führerlose Maschine fahren zu lassen, wischt Bäcker resolut beiseite: „Die können sich gar nicht vorstellen, was technisch alles möglich ist.

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