Quantenphysik auf CD: Anton Zeilinger "beamt" Lichtteilchen

Quantenphysik auf CD
Anton Zeilinger "beamt" Lichtteilchen

Bei dem renommierten Forscher und Quantenphysiker Anton Zeilinger einen Termin zu bekommen, ist schwierig. Der Mann ist viel beschäftigt. Am Montag aber steht er auf dem Dach der Kuffner-Sternwarte in Wien den Besuchern Rede und Antwort. Er erläutert nämlich die hier montierte Anlage zum Teleportieren von Lichtteilchen (Photonen).

HB KÖLN/WIEN. Der Österreicher hat sich der Datenübertragung mit Hilfe von Quanten verschrieben: Dieses Verfahren soll eines Tages eine weltweit absolut abhörsichere Verständigung möglich machen. Das System basiert auf Phänomenen, die sich mit der klassischen Physik nicht beschreiben lassen und schnell Parallelen zur Science-Fiction aufkommen lassen: Zeilinger „beamt“ Informationen mit Hilfe von Quantenzuständen. Das erinnert an den Materie-Transmitter des Raumschiffs Enterprise.

Wem dieser Besuch auf der Sternwarte zu schnell geht, der kann den Forscher übrigens jederzeit unterbrechen. Bereitwillig und mit klarer Stimme erzählt Zeilinger dann gerne alles noch einmal: Seine Stimme und die Geräusche aus dem Forschungslabor kommen von einer CD. Der Einblick in seine Arbeit und die Grundlagen der Quantenphysik füllt rund eineinhalb Stunden und ist soeben unter dem Namen „Spukhafte Fernwirkung - Die Schönheit der Quantenphysik“ im Kölner Verlag supposé erschienen. Dieser ist nach den Worten seines Chefs und Gründers Klaus Sander einzigartig mit dem Konzept, CDs herauszubringen, auf denen berühmte Natur- und Geisteswissenschaftler zu Wort kommen, die gut erzählen können.

„Viele Fachbücher wurden nicht direkt geschrieben, sondern zunächst ins Diktiergerät gesprochen“, erklärt Sander. Später hätten denn entweder die Sekretärin oder zuweilen auch die Ehefrau des Forschers das Tonband zu Papier gebracht. „Das merkt man den Büchern auch an“, sagt Sander. Daher könne man die Inhalte auch gleich auf CD sprechen. Sander will seine Produktionen ausdrücklich nicht als herkömmliches Hörbuch verstanden wissen, bei dem lediglich ein bestehendes Buch vorgelesen wird: „Wir wollen eine neue Audioform schaffen.“

Dafür werden Autoren und Wissenschaftler der Gegenwart eingeladen, ihre Themen im freien Vortrag zu entwickeln. Am Beginn eines solchen Projektes steht ein Dreh- oder Skizzenbuch, an dem sich der Forscher orientiert. Das dabei aufgezeichnete Rohmaterial wird später geschnitten, bearbeitet und von überflüssigen Füllworten befreit. „Es ist wichtig, direkt zu den Forschern zu gehen, damit die - wie jetzt Zeilinger - den komplizierten Versuchsaufbau vor Augen haben, den sie dem Hörer in freier Rede erklären sollen“, sagt Sander. Dank der direkten Ansprache könne der Zuhörer dem Wissenschaftler am besten folgen.

Die Idee, Experten direkt zu Wort kommen zu lassen, stammt aus dem Jahr 1992. Damals archivierte Sander den Nachlass des Kommunikations- und Medienphilosophen Vilém Flusser, bei dem er studiert hatte. „Zwar gibt es zahlreiche Texte und Essays von Flusser, doch seine wirkliche Stärke war das gesprochene Wort“, sagt der Verlagschef. Einige Reden und Gespräche von Flusser waren auf Band erhalten, Sander gab sie 1996 als CD heraus - und gründete eigens dafür sein Projekt. Das geschah kurze Zeit später im selben Jahr - nachdem die Erkenntnis gereift war, dass es noch viele andere beredte Denker gab - und gibt. Der Name „supposé“ heißt „angenommen, dass“, eine Wendung, mit der Flusser viele seiner Vorträge einleitete.

Bislang sind bei supposé unter anderem Sammlungen mit historischen Reden von Albert Einstein, Max Planck und Erwin Schrödinger erschienen. Zu den jüngsten Werken gehören die Originalaufnahmen des österreichischen Verhaltensforschers und Nobelpreisträgers Konrad Lorenz aus den Jahren 1951 bis 1983. Zu hören sind auch der Computerwissenschaftler Joseph Weizenbaum, der Hirnforscher Wolf Singer oder der Philosoph Peter Sloterdijk. Zu Wort kommen darüber hinaus literarische Autoren wie Hubert Fichte mit seinen Feldstudien aus der Welt der Dirnen und Stricher der Hamburger Reeperbahn oder Klaus Theweleit mit seiner Auseinandersetzung über das „RAF- Gespenst“.

Anton Zeilinger:

Spukhafte Fernwirkung - Die Schönheit der Quantenphysik, 2-CD-Set, 100 Minuten, Booklet mit zwölf Seiten, 24,80 Euro, ISBN 3-932513-60-6, www.suppose.de

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