Quantensprung

Akademiker, kommt nach Deutschland!

Die hohen Studiengebühren in den USA könnten uns bald internationale Talente zuführen. Denn unsere Gebühren sind vergleichsweise niedrig. Für angehende US-Akademiker, die keine gewaltigen Kredite aufnehmen wollen, wird die Bundesrepublik immer attraktiver. Eine gute Sache, findet Axel Meyer, Professor an der Uni Konstanz.
  • Axel Meyer (Universität Konstanz)
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Teures Pflaster: Elitekindergärten in Manhattan kosten mitunter rund 20.000 Dollar. Quelle: Reuters

Teures Pflaster: Elitekindergärten in Manhattan kosten mitunter rund 20.000 Dollar.

(Foto: Reuters)

Am Dienstag feierten wir das 150. Jubiläum der Veröffentlichung von Charles Darwins weltveränderndem Werk „The Origin of Species by means of natural selection“. Dazu hielt ich einen Vortrag in Graz. Der Studentenstreik hatte ja seinen Ursprung in Österreich, wo viele deutsche Studenten als Numerus-Clausus-Flüchtlinge zur Überfüllung der Hörsäle beitragen. Da ist sie doch, die von Bildungspolitikern gewünschte magische Mobilität! Deutsche Studenten studieren zunehmend dort, wo sie gute Ausbildung zum guten Preis erwarten. Die Unis konkurrieren längst um die besten Masterstudenten und Doktoranden – und nicht umgekehrt.

Mit ihrem Potpourristreik beklagen die Studenten aber auch die Verschulung, den Wettbewerb, die Kommerzialisierung des Studiums und natürlich auch Studiengebühren. Dabei decken diese Gebühren (bisher zumindest) nur einen Bruchteil der Kosten. In den USA haben Studenten ganz andere Sorgen. Meine Alma Mater, die University of California in Berkeley, hat gerade die Studiengebühren um 32 Prozent erhöht. Mittlerweile ist es auch für die amerikanische Mittelschicht fast unerschwinglich geworden, ihre Kinder selbst an preiswerteren öffentlichen Universitäten studieren zu lassen. Absolventen haben mehrere Zehntausend Dollar Schulden, bevor sie in das Berufsleben starten.

Ein ungewollter Standortvorteil

Eltern versuchen dort, ihren Sprösslingen den Zugang zu den besten Universitäten finanziell – mit Sparplänen, die bei der Geburt des Kindes anfangen – wie intellektuell zu ebnen. Es gibt Trainer für Dreijährige, damit sie in den richtigen Kindergarten aufgenommen werden. Dieses Phänomen ist nicht neu, aber jetzt geht es zunehmend auch darum, zu den besten staatlichen, also viel kostengünstigeren Kindergärten zugelassen zu werden. Private Kindergärten, Schulen und Universitäten sind nicht immer die besten. Solange der Weg zum gut bezahlten Beruf auch mit weniger finanziellem Aufwand erreicht werden kann, ist dies eine pragmatische Lösung. In Manhattan können private Elitekindergärten schon 20 000 Dollar jährlich kosten.

Es ist möglich, dass wegen der viel höheren Kosten in den USA und der zunehmenden Umstellung auf die Unterrichtssprache Englisch in deutschen Studiengängen bald amerikanische Studenten zu uns strömen. Dann kämen hoffentlich endlich mehr Talente zu uns, als wir ins Ausland verlieren. So war die geforderte Mobilität der Bachelorumstellung vielleicht nicht gemeint. Aber sie könnte sich als Standortvorteil erweisen, wenn ausländische Talente dann nicht nur auf Kosten des deutschen Steuerzahlers studieren, sondern auch am deutschen Forschungsstandort bleiben. Denn dieses Land braucht dringend Ingenieure und Naturwissenschaftler. Egal, woher.

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8 Kommentare zu "Quantensprung: Akademiker, kommt nach Deutschland!"

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  • "4] AuerKarl

    ....hat ihn der Wal doch tatsächlich wieder ausgespuckt, WOW...
    Sage noch einer, Gechichte wiederhole sich nicht!"

    Was sollen uns diese Worte sagen?
    Ein sehr konstruktiver beitrag des Autors, so vielsagend.... so kennt man ihn!

  • Was sollen wir davon haben? Als ich selbst studierte, sagten mir ausländische Studenten, "eigentlich wollte ich ja nach Amerika, aber ihr Deutschen seid ja so dumm, das kostenlos anzubieten". Außerdem, als Gipfel des blödsinns, weisen unsere behörden solche Studenten nach Abschluss aus, nachdem man einen Haufen Geld in sie investiert hat und sie einigermaßen in Deutschland akklimatisiert sind, während man gleichzeitig versuchte, ausländische ingenieure, die nicht akklimatisiert sind, über eine Greencard anzuwerben (dieses Programm ist inzwischen ausgelaufen).

  • @ Jonas
    Haben Sie in der Vergangenheitnicht mitbekommen, wer in unser Land kam?
    Anatolische Ziegenhirten. Ob die unsere Wirtschaft voranbringen können, wage ich zu bezweifeln.
    Falls Sie anderer Meinung sind,rate ich ihnen den Artikel vom Rektor der TUM, Hermann, in der SZ vom 24.11.09 zu lesen.

  • ....hat ihn der Wal doch tatsächlich wieder ausgespuckt, WOW...
    Sage noch einer, Gechichte wiederhole sich nicht!

  • @Denkerist
    Kann dir nur zustimmen. blos weil wir letztes Jahr ein einziges mal einen Engpass innerhalb der letzten 20 Jahren bei den ingenieuren hatten kann ich den permanenten Aufschrei nicht mehr hören.
    Wer hier von ingenieurmangel redet während gleichzeitig die Hälfte der ing Absolventen arbeitslos bleibt und ein weiteres drittel bei diesen Sklavenhändlern landet dem wünsche ich mal ein paar Tage Arbeitssuche als ingenieur.

    Wenn hier ein tatsächlicher Mangel herrschen würde würden entsprechende Löhne gezahlt und der beruf wäre sofort attraktiv für Studienanfänger.
    ich kanns nur jedem Abraten der nicht für 22000 im Jahr anfangen möchte (natürlich 10+x Stunden Tag und inklusive 13. Jahresgehalt!). 10 Euro Stundenlohn werden so ganz schnell unterschritten, und dafür nimmt man 5 Jahre Studium/Verdienstausfall in kauf... Und Kündigungsschutz, das Wort gibt es für heutige Absolventen gar nicht mehr.

    Dennoch stimme ich dem Autor insoweit zu das auch ich mir eine stärkere internationalisierung der Universitäten wünsche.

  • @ Jonas,

    ganau so ist es . Und dann noch die ewige Leier:
    "dieses Land braucht dringend ingenieure und Naturwissenschaftler". Die Realität sieht anders aus.
    Unsere Wirtschaft braucht billige ingenieure (möglichst ewige Praktikanten) , natürlich nicht über 30 geschweige denn 40, ohne Familie (nicht ortsgebunden) und 24h/Tag Zeit für die Firma.
    Die meisten Arbeitsangebote für ingenieure in Deutschland kommen von Sklavenhändlern (sog. Zeitarbeitsfirmen) um die bezahlung dieser "gesuchten" Fachkräfte zu minimieren.

  • @ Jonas,

    ganau so ist es . Und dann noch die ewige Leier:
    "dieses Land braucht dringend ingenieure und Naturwissenschaftler". Die Realität sieht anders aus.
    Unsere Wirtschaft braucht billige ingenieure (möglichst ewige Praktikanten) , natürlich nicht über 30 geschweige denn 40, ohne Familie (nicht ortsgebunden) und 24h/Tag Zeit für die Firma.
    Die meisten Arbeitsangebote für ingenieure in Deutschland kommen von Sklavenhändlern (sog. Zeitarbeitsfirmen) um die bezahlung dieser "gesuchten" Fachkräfte zu minimieren.

  • Welch ein Artikel.
    Der Autor scheint übersehen zu haben, daß wir unseren Standortvorteil gerade aufgegeben haben.

    Wir hatten einen Vorteil, als unsere Unis noch keine Studiengebühren forderten, und dieser Vorteil wurde eifrig genutzt und hat uns viele Akademiker eingebracht.

    Nämlich aus dem Ausland, aus Afrika, Asien und Südamerika, aus Ländern, die sich amerikanische Gebühren noch viel weniger leisten konnten, als die Amerikaner selbst.

    Und viele von denen sind hiergeblieben, wer kennt sie nicht, die Ärzte, ingenieure, Nobelpreisträger ausländischer Abstammung, die wegen der Uni deutsch gelernt haben, und deswegen nie in die USA auswandern würden.

    Damit ist nun auf Grund der Kurzschlusshandlung unserer Regierung, die aus Gier alles zum Golddukatenesel machen wollte, Schluß.

    Während aus Afrika, Asien, Südamerika nur die besten kamen und Deutschland vom Zuzig profitiert hat, werden nun aus den USA nur die schlechteren kommen, die dort eben kein Stipendium erhalten.

    Und darüber jubelt der Autor noch.

    Er sollte hingegen deutlich aufzeigen, daß Studiengebühren immer ein Schritt in die falsche Richtung sind, mit einem Endergebnis, wie er es gerade bei den USA skizziert.

    Die USA haben als Vorbild ausgedient, auch das verschulte Junggesellenstudium ist ein Weg in die Sackgasse.

    in der ZEiT hat mal ein Artikel aufgezeigt, daß ein Student in Deutschland ca. 7000€/Jahr kostet, ein Student in den USA hingegen 150000$. Rein aus Effizienzgesichtspunkten ist die deutsche Uni der amerikanischen um Längen voraus.

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