Quantensprung
Akademiker, kommt nach Deutschland!

Die hohen Studiengebühren in den USA könnten uns bald internationale Talente zuführen. Denn unsere Gebühren sind vergleichsweise niedrig. Für angehende US-Akademiker, die keine gewaltigen Kredite aufnehmen wollen, wird die Bundesrepublik immer attraktiver. Eine gute Sache, findet Axel Meyer, Professor an der Uni Konstanz.
  • 8

Am Dienstag feierten wir das 150. Jubiläum der Veröffentlichung von Charles Darwins weltveränderndem Werk „The Origin of Species by means of natural selection“. Dazu hielt ich einen Vortrag in Graz. Der Studentenstreik hatte ja seinen Ursprung in Österreich, wo viele deutsche Studenten als Numerus-Clausus-Flüchtlinge zur Überfüllung der Hörsäle beitragen. Da ist sie doch, die von Bildungspolitikern gewünschte magische Mobilität! Deutsche Studenten studieren zunehmend dort, wo sie gute Ausbildung zum guten Preis erwarten. Die Unis konkurrieren längst um die besten Masterstudenten und Doktoranden – und nicht umgekehrt.

Mit ihrem Potpourristreik beklagen die Studenten aber auch die Verschulung, den Wettbewerb, die Kommerzialisierung des Studiums und natürlich auch Studiengebühren. Dabei decken diese Gebühren (bisher zumindest) nur einen Bruchteil der Kosten. In den USA haben Studenten ganz andere Sorgen. Meine Alma Mater, die University of California in Berkeley, hat gerade die Studiengebühren um 32 Prozent erhöht. Mittlerweile ist es auch für die amerikanische Mittelschicht fast unerschwinglich geworden, ihre Kinder selbst an preiswerteren öffentlichen Universitäten studieren zu lassen. Absolventen haben mehrere Zehntausend Dollar Schulden, bevor sie in das Berufsleben starten.

Ein ungewollter Standortvorteil

Eltern versuchen dort, ihren Sprösslingen den Zugang zu den besten Universitäten finanziell – mit Sparplänen, die bei der Geburt des Kindes anfangen – wie intellektuell zu ebnen. Es gibt Trainer für Dreijährige, damit sie in den richtigen Kindergarten aufgenommen werden. Dieses Phänomen ist nicht neu, aber jetzt geht es zunehmend auch darum, zu den besten staatlichen, also viel kostengünstigeren Kindergärten zugelassen zu werden. Private Kindergärten, Schulen und Universitäten sind nicht immer die besten. Solange der Weg zum gut bezahlten Beruf auch mit weniger finanziellem Aufwand erreicht werden kann, ist dies eine pragmatische Lösung. In Manhattan können private Elitekindergärten schon 20 000 Dollar jährlich kosten.

Es ist möglich, dass wegen der viel höheren Kosten in den USA und der zunehmenden Umstellung auf die Unterrichtssprache Englisch in deutschen Studiengängen bald amerikanische Studenten zu uns strömen. Dann kämen hoffentlich endlich mehr Talente zu uns, als wir ins Ausland verlieren. So war die geforderte Mobilität der Bachelorumstellung vielleicht nicht gemeint. Aber sie könnte sich als Standortvorteil erweisen, wenn ausländische Talente dann nicht nur auf Kosten des deutschen Steuerzahlers studieren, sondern auch am deutschen Forschungsstandort bleiben. Denn dieses Land braucht dringend Ingenieure und Naturwissenschaftler. Egal, woher.

Kommentare zu " Quantensprung: Akademiker, kommt nach Deutschland!"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "4] AuerKarl

    ....hat ihn der Wal doch tatsächlich wieder ausgespuckt, WOW...
    Sage noch einer, Gechichte wiederhole sich nicht!"

    Was sollen uns diese Worte sagen?
    Ein sehr konstruktiver beitrag des Autors, so vielsagend.... so kennt man ihn!

  • Was sollen wir davon haben? Als ich selbst studierte, sagten mir ausländische Studenten, "eigentlich wollte ich ja nach Amerika, aber ihr Deutschen seid ja so dumm, das kostenlos anzubieten". Außerdem, als Gipfel des blödsinns, weisen unsere behörden solche Studenten nach Abschluss aus, nachdem man einen Haufen Geld in sie investiert hat und sie einigermaßen in Deutschland akklimatisiert sind, während man gleichzeitig versuchte, ausländische ingenieure, die nicht akklimatisiert sind, über eine Greencard anzuwerben (dieses Programm ist inzwischen ausgelaufen).

  • @ Jonas
    Haben Sie in der Vergangenheitnicht mitbekommen, wer in unser Land kam?
    Anatolische Ziegenhirten. Ob die unsere Wirtschaft voranbringen können, wage ich zu bezweifeln.
    Falls Sie anderer Meinung sind,rate ich ihnen den Artikel vom Rektor der TUM, Hermann, in der SZ vom 24.11.09 zu lesen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%