Quantensprung: Auch Sprachen evolvieren

Quantensprung
Auch Sprachen evolvieren

Alles mutiert und evolviert, auch die Sprache - und das ist nur natürlich. Heute wird auch in deutschen Zeitungstexten mit großer Selbstverständlichkeit "gegoogelt", und - fast - jeder weiß, was damit gemeint ist. Dabei gibt es die Internetsuchmaschine mit ihrem Phantasienamen erst seit wenigen Jahren. Jetzt gibt es nicht nur ein neues amerikanisches, sondern auch ein neues deutsches Verb.

Auch wenn man im Internet mit Konkurrenten wie Lycos oder Yahoo sucht, "googelt" man, denn aus den Namen der Konkurrenzfirmen entstanden keine Verben für die Internetrecherche. Klebefilm wird ja auch nicht nur von einer Firma hergestellt. Tesa wurde aber zum Überbegriff für transparenten Klebefilm in Deutschland, so wie Scotch in den USA. Die Synonymisierung seines Markennamens mit einem Produkt ist der Traum jedes Unternehmers.

Evolution, wohin man auch blickt: Der Stärkere, Schnellere, Bessere, Effizientere, Genauere oder manchmal einfach nur der Zufall setzt sich durch in der Biologie, Wirtschaft und auch in gewissem Maße in der Sprache.

Warum sollte dieser natürliche Prozess des ständigen Entstehens neuer Wörter, ihrer Migration in andere Sprachräume und ihrer Integration in diesen aufgehalten werden? Gene scheinen sich in natürlichen Population ähnlich zu verhalten wie Wörter. Sicher haben durch Popmusiksender wie MTV und das Internet das globale Ausmaß und die Geschwindigkeit dieser evolutiven Prozesse zugenommen. Aber Sprachen sind seit jeher veränderlich, sie waren wahrscheinlich noch nie "rein" und reflektieren nicht nur die Geschichte und Wanderungen ihrer Sprecher, sondern auch die ihrer Nachbarn, Handelspartner oder Sklaven.

Regelmacherei für die vermeintliche Reinhaltung der Muttersprache scheint nutzlos, vielleicht sogar kontraproduktiv. Gerade im Zeitalter der Globalisierung sollten andere Sorgen Präferenz haben. Außerdem scheinen die Hüter der deutschen und französischen Sprache zu vergessen und können sich damit trösten, dass nicht nur Deutsch immer mehr zu Denglish evolviert. Auch Germanismen infiltrierten das Englische - wie es viele Wörter mit französischen Wurzeln im Englischen gibt - und tun es noch, wenn auch wohl in geringerem Maß als umgekehrt.

Diese Sprachevolution ist nicht neu. Es schreibt auch niemand mehr wie Martin Luther. Aber keine Sorge, wir werden auch in Zukunft eher wie er als wie George Washington reden, denn Vokabeln (vergleichbar den Genen) mutieren und wandern schnell, Grammatik (wie Interaktionen zwischen Genen) dagegen vergleichsweise langsam. Auch da scheinen sich biologische und kulturelle Prozesse zu ähneln.

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