Quantensprung
Objektivere Kriterien für Berufungen von Professoren

Berufungen in Deutschland haben gerade bei deutschen Forschern in den USA einen schlechten Ruf. Sie werden für nicht transparent, nicht objektiv und nicht fair gehalten. Das vermeintliche Gemauschel schreckt die wirklich guten Forscher ab – zu Recht. Dabei gibt es ein einfaches Rezept zur Qualitätssteigerung.



Auf einer Konferenz traf ich einen Kollegen aus einem Fachbereich der Harvard-Universität, an dem ich vor vielen Jahren studiert habe. Wir sprachen über die Stimmung in der Wirtschaftskrise und die Hoffnung auf Besserung, auch für die Wissenschaft, durch einen Messias namens Barack. Wir sprachen auch über neu berufene Kollegen in Harvard.

Leider hatte ich nicht die Muße, nur den Vorträgen auf der Konferenz zu lauschen, denn ich musste noch vor Ende der Woche ein vergleichendes externes Gutachten für eine Professur in Deutschland schreiben. So waren meine Abende auf der Konferenz ausgefüllt mit dem Studieren von Lebensläufen, Forschungsplänen, Aufstellungen der Lehrerfahrung und Publikationen der drei besten Bewerber. Wie hoch sind die Impaktfaktoren der Journale, in denen sie veröffentlichten? Ist ihr sogenannter H-Index demnach gut für ihr Alter? Einen objektiveren Test der Forschungsqualität kann ich mir nicht vorstellen.



Sicher ist es zu einfach, nur diese Zahlen zu vergleichen, aber zumindest sollte man sehr gute Argumente haben, wenn jemand nicht berufen wird, der bei gleichem Alter dreimal so viele Zitate hat wie sein Konkurrent, oder in angeseheneren Journalen publiziert hat. So geschah es neulich bei einer anderen Professur, für die ich ein Gutachten schrieb. So etwas ist schwer nachzuvollziehen. Wie sollen wir unsere Studenten ermutigen, hart zu arbeiten, wenn sich Leistung am Ende doch nicht auszahlt?

Mein Kollege aus Harvard sagte, dass dort bei Neuberufungen der Dekan immer kritisch hinterfragt, ob der Kandidat für eine bestimmte Professur die Intelligenz im Fachkollegium erhöhen würde. Nur dann würde er der Berufung zustimmen. Wirkliche Exzellenz fürchtet sich nicht vor wirklicher Exzellenz, sondern will die Intelligentesten und Besten als Kollegen. Nur so kann man im globalen Wettbewerb um die klügsten Studenten langfristig mithalten.

Die Berufungen in Deutschland haben gerade bei deutschen Forschern in den USA einen schlechten Ruf. Sie werden für nicht transparent, nicht objektiv und nicht fair gehalten. Das vermeintliche Gemauschel schreckt die wirklich guten Forscher ab – zu Recht. Das einfache Rezept zur Qualitätssteigerung: Berufe nur Bessere als den Durchschnitt deines Fachbereichs. Dies lässt sich alles recht objektiv messen in den Naturwissenschaften. Der Rest ist Politik, und die sollte in der Wissenschaft keine Rolle spielen. Obama hilf!

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