Quantensprung
Sollen fremde Studenten mehr Gebühren zahlen?

In den USA zahlen Studenten unterschiedlich hohe Studiengebühren. Wenn sie aus dem Ausland kommen, zahlen sie mehr. Ein eigenartiges System, findet Axel Meyer, Professor für Evolutionsbiologie an der Universität Konstanz. Aber es folgt einer gewissen Logik. Allerdings nur, wenn die Leistung stimmt.
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An öffentlichen Universitäten in den USA gibt es ein zweistufiges System von Studiengebühren: Die „normalen“ für Kinder von Einwohnern des Bundesstaats betragen einige Tausend Dollar pro Jahr, während die „Out-of-state“-Gebühren meist zehn- bis 15-mal so hoch sind. An der renommierten University of Michigan beispielsweise betragen sie 36 163 Dollar, etwa so viel wie im elitären privaten Princeton. Die Logik ist einfach: Steuerzahler aus Michigan finanzieren diese Uni, Bürger anderer Staaten nicht. Aber die Rechnung geht nur auf, wenn die Qualität der Ausbildung so gut ist, dass genug Studenten oder genauer deren Eltern so hohe Studiengebühren zu zahlen bereit sind.

Ich hatte als Student in Berkeley ein Fulbright- Stipendium, aber davon konnte man nicht leben. Um meinen Eltern nicht auf der Tasche zu liegen, jobbte ich. Eine Zeit lang reinigte ich nachts Büros und Toiletten in Reisebüros. Das war nicht angenehm, aber so konnte ich die Miete bezahlen. Ich war stolz, unabhängig von Eltern und Staat zu sein. Danach konnte ich als „teaching assistant“ arbeiten. So bekommen Doktoranden etwa 1 000 Dollar im Monat und müssen dafür Studenten unterrichten.

Aber ich musste eben nicht nur die etwa 2 000 Dollar normale Studiengebühr zahlen, also etwa 20 Prozent meines Nettoeinkommens, sondern jährlich etwa 20 000 Dollar zusätzlich als „Out-of-state“-Gebühren. Trotz weiterer Stipendien und Reduktionen war es immer eine Zitterpartie. Meinen Doktortitel erhielt ich am Ende schuldenfrei – was in den meisten Ländern nicht selbstverständlich ist.

In Deutschland schon. Einige Bundesländer verlangen überhaupt keine Studiengebühren. Sie erleben einen starken Zustrom von Studenten aus Bundesländern, in denen Studiengebühren verlangt werden. Diese kosten den Steuerzahler der gebührenfreien Länder viel zusätzliches Geld. Wann werden diese Steuerzahler aufbegehren und von Studenten anderer Bundesländer und Ausländern höhere Gebühren verlangen? Das wäre nur gerecht. Aber die Leistungen müssen stimmen, sonst wird niemand kommen und bezahlen.

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