Radikalkur
Neuer Schwung im Flugzeugbau

Die Luftfahrtindustrie steht vor heftigen Umwälzungen: Ab 2012 werden die Airlines in den Emissionshandel der Europäischen Union einbezogen, dann kostet der CO2-Ausstoß auch im Flugverkehr bares Geld. Um sich vom immer teurer werdenden Kerosin zu befreien, investiert die Branche massiv in Technologien. Wie die Konzepte der Zukunft aussehen könnten.
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DÜSSELDORF. Die internationale Luftfahrtindustrie ist in heftige Turbulenzen geraten. „2009 wird das härteste Jahr, mit dem die Fluglinien jemals konfrontiert waren“, prophezeit Giovanni Bisignani, der als Präsident der Weltluftfahrtorganisation IATA sicher nicht zu den Schwarzmalern der Branche zählt. Die Airlines werden dieses Jahr einen Verlust von neun Mrd. Dollar einfahren – und ihr Umsatz wird noch stärker einbrechen als nach dem 11. September 2001. Bei den Flugzeugherstellern sieht es nicht besser aus: Airbus und Boeing erwarten einen massiven Auftragseinbruch. Statt 400 dürften dieses Jahr nur 300 Flugzeuge bestellt werden, teilte der Airbus-Mutterkonzern EADS mit.

Angesichts solcher Zahlen fällt es schwer zu glauben, dass der Luftfahrtbranche die größten Herausforderungen erst noch bevorstehen. Rohstoffexperten aber gehen davon aus, dass sich das Kerosin – der größte Kostenfaktor im Flugbetrieb – im kommenden Jahrzehnt dramatisch verteuern wird. Und spätestens wenn die Krise vorbei ist, wird auch der Umweltschutz an die Spitze der politischen Agenda zurückkehren. „Die Gesellschaft wird künftig nicht mehr hinnehmen, wenn Fluglinien die Luft auf Kosten der Allgemeinheit verschmutzen“, sagt Horst Hüners, Programmdirektor Luftfahrt im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Ab 2012, wenn die Airlines in den Emissionshandel der Europäischen Union einbezogen werden, kostet der CO2-Ausstoß auch im Flugverkehr bares Geld. So ist der Gegensatz von Ökonomie und Ökologie in kaum einer anderen Branche so klein wie in der Luftfahrtindustrie. Die Ingenieure wissen: Das Flugzeug der Zukunft muss weniger Kerosin verbrauchen, um die Kosten zu senken und die Umwelt zu schonen.

Die Zeit der kleinen Verbesserungen von heutigen Flugzeugtypen, die sich in den vergangenen fünf Jahrzehnten im Kern nicht wesentlich geändert haben, ist angesichts dieser Herausforderungen vorbei, sagen die Vordenker im Bauhaus Luftfahrt in Garching bei München. Die Forschungseinrichtung ist eine Ideenschmiede der Branche: ein gemeinnütziger Verein, den unter anderem EADS und der Triebwerkhersteller MTU gegründet haben. Hier werden Visionen entwickelt, die die Branche so dringend benötigt. Eine davon heißt Claire Liner – ein neues Flugzeugmodell, mit dem die Designer viele Probleme lösen wollen.

Am auffälligsten beim neuen Modell ist das ungewohnte Design der Flügel. Statt zweier einzelner Tragflächen verfügt der Claire Liner über eine sogenannte Boxwing-Konstruktion – ein großes Rechteck, das die beiden Flügel über dem Rumpf miteinander verbindet. Auf diese Weise soll sich die Aerodynamik deutlich verbessern und gleichzeitig der Energieverbrauch massiv sinken.

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