Rätselhafte Entdeckung
Nach dem Vorbild der alten Ägypter

Die Entdeckung der Forscher ist so selten wie rätselhaft: In Thessaloniki fanden Wissenschaftler ein Skelett aus der Spätantike – einbalsamiert mit Myrrhe und Harzen nach Art ägyptischer Mumien. Für das spätantike Griechenland eine untypische Art, die Toten zu bestatten.

DÜSSELDORF. Die griechische und schweizerische Archäologen und Anatomen um Frank Rühli vom Anatomischen Institut der Universität Zürich fanden heraus, dass das Skelett einer etwa 55-jährigen Frau Reste von Weichteilen enthält, die auf eine Einbalsamierung nach Art ägyptischer Mumien schließen lassen. Die Wissenschaftler datierten den Fund etwa auf die Zeit um 300 n. Chr.

Die Überreste von Weichteilen an den Knochen, Haare und Teile eines goldbestickten Seidengewandes wurden nicht nur makroskopisch untersucht, sondern auch mit modernen naturwissenschaftlichen Verfahren, wie der Gas-Chromatografie und der Massenspektrometrie. Dabei entdeckten die Forscher Einbalsamierungssubstanzen wie Fette, Myrrhe und Harze. Der umgebende, römische Bleisarg hatte auf die Erhaltung der Mumie offenbar keinen Einfluss.

Zwar hatten Althistoriker bereits zuvor vermutet, dass eine künstliche Mumifizierung durch Einbalsamierung von Leichen wie im alten Ägypten üblich auch im römisch beherrschten Griechenland in höheren Schichten angewendet wurde – doch der Beleg fehlte bislang. „Noch nie konnten für diese Periode in Griechenland solche Einbalsamierungssubstanzen nachgewiesen werden“, erklärte Christina Papageorgopoulou, Initiatorin der Studie und Assistentin am Anatomischen Institut der Universität Zürich.

Bisher war nur aufgrund von historischen schriftlichen Quellen vermutet worden, dass auch im römischen Griechenland möglicherweise ausgewählte Personen einbalsamiert wurden. Schon der griechische Geschichtsschreiber Herodot (480 oder 490 bis 425 v. Chr.) und der römische Gelehrte Plinius der Ältere (23 bis 79 n. Chr.) haben die Mumifizierung beschrieben.

Zwar war die ägyptische Vorstellung, dass das Herz des Menschen nach dem Tod gewogen werde, auch unter Griechen verbreitet. Aber für das spätantike Griechenland ist die Mumifizierung sicher eine untypische Art, die Toten zu bestatten. „Für die griechisch-römische Zeit“, so Frank Rühli, „war eher die Brandbestattung üblich oder die normale Bestattung im Totenhemd.“ Teilweise seien die Verstorbenen auch in großen Töpfen beerdigt worden. „Wenn wir eine Brandleiche dort gefunden hätten, hätte das niemand überrascht“, sagte Rühli.

Seite 1:

Nach dem Vorbild der alten Ägypter

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%