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Rätselhafter Schatz am Kaliningrader Schloss gefunden

Russische Archäologen haben in Kaliningrad, dem früheren Königsberg, in den verschütteten Kellern des Ordensschlosses einen rätselhaften Schatz geborgen.

dpa KALININGRAD. Bei Ausgrabungsarbeiten nahe dem Nordflügel fanden sie eine mehrere hundert Jahre alte Silberschatulle, deren Inhalt offenbar satanischen Ritualen diente. Die elf Amulette und filigran verarbeiteten Medaillen aus Gold, Silber, Kupfer und Zinn zeigen unter anderem Pentagramme und Darstellungen des Teufels, außerdem unbekannte, an Engel erinnernde Gestalten und Abbildungen kultischer Handlungen. Besonders geheimnisvoll wirken die verschlüsselten Inschriften in mehreren Sprachen, auch die etwa handtellergroße Schatulle selbst ist mit seltsamen Kreuzsymbolen und formelartigen Umschriften verziert.

Die Wissenschaftler stehen vor einem Rätsel. Woher das Etui stammen könnte und wie es in den Schlosskeller gelangte, sei völlig unbekannt, sagt Grabungsleiter Anatoli Walujew, Chefarchäologe des Kaliningrader Museums für Kunst und Geschichte. Selbst das Alter des Fundes will Walujew vorerst nur vage umreißen: „Die Gegenstände stammen vielleicht aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Es sind aber nur erste Schätzungen.“

Für Walujews Kollegen Wladimir Kulakow scheint indes bereits festzustehen, dass die Amulette verschiedenen Ländern und Kulturkreisen zuzuordnen sind. Der Chef der Baltischen Expedition am Moskauer Archäologischen Institut zieht Verbindungen zu heidnischen, arabischen und ägyptischen Mythologien. „Der Fund ist eine Sensation, es gibt derzeit nichts vergleichbares. Es sind zwar einige ähnliche Einzelstücke bekannt, aber noch nie ist in Europa eine derart vollständige Sammlung solcher Kultgegenstände entdeckt worden.“

Die Stücke sind in einem hervorragenden Zustand. Nach der Restaurierung soll die Gerätschaften des unbekannten Teufelsanbeters im Kunstgeschichtlichen Museum ausgestellt werden. Zur Deutung der verschlüsselten Abbildungen hoffen die Kaliningrader Wissenschaftler auch auf die Hilfe westlicher Kollegen und Hinweise in der Fachliteratur.

Im Königsberger Schloss waren bis 1945 mehrere Ausstellungen untergebracht, unter anderem das berühmte Prussia-Museum mit 240 000 archäologischen Exponaten von der Steinzeit bis ins frühe Mittelalter. Dass die Silberschatulle aus dem großenteils verschollenen Prussia-Fundus stammt, hält Walujew aber für unwahrscheinlich. „Museumsexponate hatten eine Signatur. Die gefundenen Gegenstände sind alle ohne entsprechende Kennzeichnung.“

Der rätselhafte Kultschatz kommt den Kaliningrader Archäologen sehr gelegen: Zur bevorstehenden 750-Jahrfeier der Stadt können sie nun einen Sensationsfund präsentieren. Die meterdicken Backsteinmauern der freigelegten Schlosskeller selbst sollen zu den offiziellen Jubiläumsfeiertagen Anfang Juli als Freilichtmuseum eröffnet werden.

Das Königsberger Schloss, 1 255 von den Rittern des Deutschen Ordens erbaut, später Krönungsstätte des ersten Preußenkönigs, war im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und 1969 auf Befehl Moskaus von Pionieren der Sowjetarmee gesprengt worden. Seit drei Jahren gräbt Walujews Team die Reste wieder aus - bezahlt vom Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Die Hamburger hoffen, in den geheimnisumwitterten Kellern auf Spuren des hier 1945 verschollenen Bernsteinzimmers zu stoßen.

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