Raketenabwehr
Löcher im Raketenschild

Seitdem er an die Macht gekommen ist, strebt US-Präsident George Bush einen Raketenabwehrschild für sein Land – und neuerdings die Alliierten – an. Jedoch kritisieren Experten die Pläne: Die Technologie sei unzuverlässig und riskiere eine Konfrontation mit Russland.

Bis 2012 sollen in Polen zehn Abfangraketen installiert werden, die die USA und Teile Europas vor Langstreckenraketen aus dem mittleren Osten schützen sollen. So steht es in einem Abkommen zwischen Washington und Warschau. Allerdings bezweifeln Experten, ob das System technisch in der Lage ist, Nuklearraketen vor ihren Zielen aufzuhalten. Sie weisen auch darauf hin, dass die Installation erhebliche politische Folgen haben wird.

Die Batterie von Abfangflugkörpern, die die polnische Regierung jetzt gebilligt hat, wird mit einem speziellen Bahnverfolgungsradar in Tschechien verbunden. Im Ernstfall soll diese Anlage als Wegweiser funktionieren, der die Abfangraketen zu den Atomsprengköpfen am Himmel lenkt.

Doch Experten bezweifeln, dass dieses Radarsystem zielgenau arbeitet. "Ein Nuklearsprengkopf hat einen winzigen Radarquerschnitt", sagt Ted Postol vom renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT). Die US-Raketenabwehrbehörde gehe bei ihren Berechnungen davon aus, dass dieser Radarquerschnitt etwa ein Quadratmeter groß ist. "In Wirklichkeit ist er aber hundertmal kleiner", betont er.

Die Abfangraketen tragen zudem keine Sprengköpfe. Der Flugkörper soll die feindliche Langstreckenrakete allein durch die Wucht des Zusammenstoßes zerstören. Wenn die Abfangrakete an den Atomsprengkopf auch nur einige Zentimeter vorbeirast, passiert nichts.

"Weil die Abfangraketen noch nie unter realistischen Bedingungen getestet wurden, ist völlig offen, ob sie im Ernstfall ihr Ziel treffen", fügt Postol hinzu. "Wir haben die Behauptungen der Raketenabwehrbehörde geprüft. Unseren Analysen zufolge ist es technisch unmöglich, dass das System jemals so funktioniert, wie man uns Glauben machen will."

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