Rallye autonomer Roboterfahrzeuge
Autos ohne Fahrer unterwegs

Sie lenken, bremsen, beschleunigen und schalten, ohne dass jemand hinter dem Steuer sitzt. An Bord der autonomen Fahrzeuge, an denen gleich mehrere deutsche Forscherteams arbeiten, sind ausschließlich Computer für die Steuerung zuständig. Was wie eine Spielerei wirkt, hat durchaus auch praktischen Nutzen.

BERLIN. Das hätte schief gehen können. Der weiße Dodge Caravan schnurrt ruckelfrei los, nimmt schwungvoll und exakt die Kurve – plötzlich steht dahinter ein Auto, mitten auf der Fahrbahn. Doch der Dodge bremst rechtzeitig. – Kann passieren. Ungewöhnlich ist nur, dass hinter dem Steuer des Mini-Vans niemand sitzt. An Bord befinden sich nur Computer – und die steuern das autonome Fahrzeug, das Informatiker der Freien Universität Berlin (FU) entwickelt und nun der Öffentlichkeit vorgestellt haben.

Der „Spirit of Berlin“ getaufte Wagen fährt ohne menschliches Zutun. Lasersensoren, das Navigationssystem und Videokameras liefern ein komplexes Bündel an Informationen, das blitzschnell von den Rechnern an Bord verarbeitet wird. „Im Gegensatz zu anderen robotischen Autos setzen wir auf preiswerte Sensoren, legen aber viel Wert auf eine ausgeklügelte Software“, sagt Raúl Rojas, Professor für Künstliche Intelligenz an der FU, dessen Team das Auto verselbstständigt hat. Unterstützt wurden die Forscher von der Polizei Berlin, IBM Deutschland und der Microsoft Academic Alliance.

Den Crash auf der Teststrecke hat ein Sensorsystem verhindert, das Passanten, Autos und andere Verkehrsteilnehmer frühzeitig erkennt. Spezielle Laserscanner senden dazu ihre Strahlen aus, die etwa von dem stehenden Auto oder einem Fußgänger reflektiert werden. Die Sensoren erfassen die Laufzeit des reflektierten Strahls, woraus der Rechner berechnet, wo und in welchem Abstand sich das Hindernis befindet. Dadurch verfügt der Computer im Fahrzeug jederzeit über eine genaue Karte der beweglichen und stillstehenden Objekte auf der Straße. „Die Reichweite der Lasersensoren liegt bei 150 Metern", sagt Rojas.

Die Hochleistungsrechner sorgen auch dafür, dass das Auto über eine spezielle Technik, die Fachleute x-by-wire nennen, lenkt, bremst, beschleunigt und schaltet. Die Forscher haben das autonome Fahrzeug nicht zum Spaß entwickelt, der besondere Dodge soll am 3. November zur Darpa Urban Challenge starten, einem Wettrennen für fahrerlose Autos in den USA. Die teilnehmenden Fahrzeuge werden anhand ihrer eingereichten technischen Unterlagen und einer Inspektion durch die Darpa-Militärforscher bis Ende Juni endgültig ausgewählt.

Die Berliner sind jedoch nicht die einzigen deutschen Bewerber. Sie starten unter anderem gegen die mächtige Konkurrenz von VW, die vor zwei Jahren mit einem autonomen Touareg die Wettfahrt „Grand Challenge“ gewonnen hat. Damals bewältigte der umgebaute SUV (Sport Utility Vehicle) am schnellsten den 280 Kilometer langen Weg durch die Wüste. Jetzt führt die Tour durch den Trubel der Stadt, wenngleich dieser aus Sicherheitsgründen auf einem Kasernengelände simuliert wird.

Auch die Entwickler im VW-Forschungszentrum treffen bei ihrem Passat Variant, der dieses Mal starten soll, die letzten Vorbereitungen. Unter dem unauffälligen blauen Blechkleid des Kombis feilen Experten des Konzerns zusammen mit Forschern der US-Stanford University an intelligenter Sensortechnik, die dafür sorgt, dass die Familienkutsche selbstständig fährt.

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