Raumfähre „Atlantis“ dockt an ISS an
Verspätetes Rendezvous im All

Die Besatzung der Internationalen Raumstation (ISS) erwartet die Ankunft der ersten US-Raumfähre in diesem Jahr. Die „Atlantis“ soll am Sonntagabend um 21.36 Uhr MESZ an die ISS andocken.

HB HOUSTON/WASHINGTON. Der Space-Shuttle war in der Nacht zum Samstag mit sieben Astronauten an Bord vom US-Weltraumbahnhof in Cape Canaveral in Florida gestartet. Nach ersten Inspektionen hat der Hitzeschild der Raumfähre den Start ohne Beschädigungen überstanden. Ein Stück Schaumstoff, das sich relativ spät vom Außentank gelöst hatte, bedeutete nach Angaben der Nasa keine Gefahr.

Der Weltraumeinsatz der „Atlantis“ hat mit drei Monaten Verspätung begonnen, nachdem ein Hagelsturm am 26. Februar den Außentank schwer beschädigt hatte. Die Raumfähre fliegt ein rund 17,5 Tonnen schweres Segment mit einem Paar neuer Sonnensegel zum Außenposten der Erde. Diese sollen während drei Außeneinsätzen gesetzt werden.

Vor dem „Kuss im All“, wie das Andocken auch genannt wird, musste die „Atlantis“ einen Looping vor der ISS drehen. Die drei Astronauten auf der ISS sollte dann den Unterboden der Raumfähre fotografieren, um mögliche Schäden zu finden.

Den Start hat die „Atlantis“ ohne Beschädigungen des Hitzeschildes überstanden. Alles sehe bislang sehr gut aus, sagte Nasa-Flugdirektor John Shannon im Kontrollzentrum in Houston (Texas). Ein rund 15 mal acht Zentimeter großes Stück Schaumstoff, das sich relativ spät vom Außentank gelöst habe, stelle keine Gefahr da.

Bei jedem Start eines Space-Shuttles fallen von dem rund 50 Meter hohen Außentank kleine Eis- und Schaumstücke ab. Das Eis bildet sich an einigen Stellen der Außenhaut, weil der Tank mit 1,8 Mill. Litern ultrakaltem Treibstoff gefüllt wird. In den ersten beiden Minuten nach dem Start spürt die Raumfähre den größten Luftwiderstand. Fallen während dieser Zeit Stücke ab, wirken Urgewalten. Selbst kleine Schaumstoffstücke können dann Löcher in die Raumfähre schlagen. Ein Loch im Hitzeschild des linken Flügels hatte am 1. Februar 2003 die tödliche Katastrophe der „Columbia“ ausgelöst, bei der alle sieben Astronauten ums Leben kamen.

Die Nasa-Techniker müssen in den kommenden Tagen noch ein Sicherheitsproblem lösen. Am linken, oberen Heck der Raumfähre steht ein Stück Isolierstoff hervor. „Wir machen uns im Augenblick keine großen Sorgen“, sagte Shannon. Nasa-Techniker prüften im Windkanal, ob die Raumfähre, wie andere zuvor, mit dem herausstehenden Streifen zur Erde zurückkehren könne oder ob eine Gefährdung für Fähre und Crew bestehe. Anders als am Hitzeschild sind die Temperaturen an dieser Stelle des Shuttles beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre erheblich kühler.

Die „Atlantis“ flog in einer Art Verfolgungsjagd in den ersten drei Flugtagen der Internationalen Raumstation hinterher. Bei jeder Erdumkreisung holte die Raumfähre nach Angaben der Nasa rund 1100 Kilometer auf. Die ISS kreist rund 350 Kilometer über der Erde.

Es ist der erste Flug einer US-Raumfähre in diesem Jahr. Auch die Europäer verfolgen den Einsatz mit großem Interesse. Mit den neuen Sonnensegeln wird sich die Energieversorgung auf der ISS erheblich verbessern. Mehr Energie ist ein Muss, bevor die „Atlantis“ im Dezember das europäische Weltraumlabor „Columbus“ zur ISS fliegt.

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