Raumfahrt
Astronaut Reiter feierte Weihnachten mit wackligen Beinen

Der deutsche Astronaut Thomas Reiter ist nach 171 Tagen im All wieder ein richtiger Erdling. Die ersten Stunden nach der Landung vom Freitag waren die Beine noch wacklig, doch Weihnachten verbrachte der 48-Jährige schon wieder mit seiner Familie in einer Wohnung im Nasa-Zentrum in Houston (Texas).

dpa WASHINGTON/CAPE CANAVERAL. Der deutsche Astronaut Thomas Reiter ist nach 171 Tagen im All wieder ein richtiger Erdling. Die ersten Stunden nach der Landung vom Freitag waren die Beine noch wacklig, doch Weihnachten verbrachte der 48-Jährige schon wieder mit seiner Familie in einer Wohnung im Nasa-Zentrum in Houston (Texas).

Die fünfeinhalb Monate auf der Internationalen Raumstation ISS sind für ihn „wahnsinnig schnell vorbeigegangen“. „Als ich für den Rückflug in das Shuttle eingestiegen bin, hatte ich den Eindruck: Wir sind doch erst vor ein paar Tagen angekommen.“

Reiter blickt mit einer Mischung aus Freude und Wehmut auf seinen Arbeitseinsatz auf der ISS zurück: „Ich habe mich wohlgefühlt wie ein Fisch im Wasser (...) Ich habe jede Sekunde genossen und freue mich jetzt eigentlich, dass es rum ist und dass ich wieder wohlbehalten auf der Erde bin“, sagt Reiter am Samstagmorgen nur wenige Stunden nach der Landung. Der Esa-Astronaut und sechs weitere Raumfahrer waren am Freitagabend um 23.32 Uhr MEZ mit der Raumfähre „Discovery“ in Cape Canaveral in Florida gelandet.

Die ersten Stunden nach der Rückkehr plagten Reiter noch Anpassungsschwierigkeiten. „Wenn man ein halbes Jahr in der Schwerelosigkeit verbracht hat, dann ist die Rückkehr zur Schwerkraft überwältigend (...) Wenn man aufstehen muss, dann fällt das unglaublich schwer. Die ersten Stunden sind kein Vergnügen. Alles dreht sich, wenn man den Kopf ein bisschen bewegt. Man hat das Gefühl, dass einem schwindelig ist. Aber nach einer Nacht geht es einem schon viel besser.“

Auch der richtige Appetit wollte sich nach der Landung nicht einstellen. Sein erstes Frühstück auf der Erde hat der 48-Jährige dann am Samstag aber als „Gaumenschmaus“ genossen: „Spiegeleier mit Schinken, Tomaten, Kaffee und Orangensaft. Ich muss sagen, da habe ich richtig drauf gewartet.“ Das Essen auf der Raumstation sei nicht schlecht und auch sehr vielfältig gewesen, sagt der Deutsche. „Aber nichts kommt frisch zubereitetem Essen gleich.“

Nach seiner Ankunft auf der ISS am 6. Juli hat dem Astronauten der Europäischen Raumfahrtorganisation Esa zuerst nichts gefehlt. „Nach einer gewissen Zeit kommt dann die Phase, wo man gewisse Dinge vermisst. Logischerweise die Familie, die Kinder, Freunde, auch ein bisschen die Natur.“ Bis auf ein paar Wehwehchen wie einen verspannten Rücken hatte der frühere Testpilot der Bundeswehr im Weltall keine Probleme. 20 Experimente führte der Esa-Astronaut durch. Darüber hinaus bereitete er das Andocken des europäischen Weltraumlabors „Columbus“ vor, das von der „Discovery“ im Oktober kommenden Jahres zur ISS geflogen werden soll.

Wenn am Wochenende Zeit blieb, dann griff der Hobbymusiker auch zur Gitarre. Allerdings ist es auf der ISS nicht so einfach, ein ruhiges Plätzchen zu finden. „Es ist auf Grund der vielen Pumpen und Drucksysteme relativ geräuschvoll auf der Station (...) Es gibt eigentlich nur einen Platz, an dem es etwas leiser ist, und das ist die amerikanische Luftschleuse (...) Es ist schon ein faszinierendes Gefühl, Gitarre zu spielen, während man kopfüber purzelt oder auf die Erde hinunterblickt.“

Wenn Reiter Mitte Januar wieder nach Deutschland zurückkommt, rechnet er nicht mit der großen Leere in seinem Leben. Nach dem Einsatz sei man genauso beschäftigt wie während des Einsatzes, sagt er. Im März will Reiter dann zum ersten Mal wieder in den Urlaub gehen. Obwohl er jetzt inklusive seines früheren Einsatzes fast ein Jahr im All verbracht hat, überkommt ihn schon wieder Wehmut. Es wäre schön, wenn es noch einmal mit einem Flug klappen würde, sagt er.

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