Raumfahrt China will die eigene Raumstation

Nach dem erfolgreichen Test eines eigenen Raumfrachters wagt sich China nun an ein ehrgeiziges Projekt. Gelingt der Bau einer eigenen Raumstation, hätten die Chinesen wohl demnächst den einzigen Außenposten im All.
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Nach dem geglückten Flug eines eigenen Raumtransporter möchte China nun eine eigene Raumstation aufbauen. Quelle: dpa
Raumtransporter Tianzhou 1

Nach dem geglückten Flug eines eigenen Raumtransporter möchte China nun eine eigene Raumstation aufbauen.

(Foto: dpa)

PekingMit dem erfolgreichen Flug des ersten chinesischen Raumfrachters gibt China grünes Licht für die geplante Konstruktion einer eigenen ständigen Raumstation. „Wir treten jetzt in die Bauphase ein“, sagte der Direktor des bemannten Raumfahrtprogramms, Wang Zhaoyu, am Freitag vor der Presse in Peking.

China wolle auch seine Kooperation mit den Europäern und anderen im All ausweiten. Den USA und Russland wurde für die Zukunft mögliche Unterstützung bei Nachschubflügen zur internationalen Raumstation (ISS) angeboten.

„Wir haben jetzt die Fähigkeiten, eine Raumstation zu bauen und zu betreiben“, sagte Wang Zhaoyu. Zuvor hatte der Raumtransporter „Tianzhou 1“ (Himmlisches Schiff) erstmals erfolgreich das unbewohnte Testlabor „Tiangong 2“ (Himmelspalast) aufgetankt, das gegenwärtig die Erde umkreis.

Aufstrebende Weltraumnationen
HAYABUSA PROBE
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Japan

Die Anfänge der japanischen Weltraumforschung reichen zurück bis in die 1960er Jahre. Standen zunächst vor allem Projekte zur Grundlagenforschung – etwa im Bereich der Röntgenastronomie – im Mittelpunkt des Interesses, so ist Japan inzwischen auch mit eigenen Trägersystemen, zahlreichen Satelliten im All sowie ehrgeizigen Raumsonden-Projekten zu einer wichtigen Raumfahrtnation geworden.

Seit Oktober 2003 koordiniert die japanische Raumfahrtagentur Jaxa – ein Zusammenschluss aus drei bis dahin unabhängigen Instituten – Japans Aktivitäten im All. Zu den spektakulärsten Jaxa-Missionen zählte die Sonde Hayabusa (Bild), die 2010 Staubpartikel eines Asteroiden zur Erde brachte. Für die Zukunft plant die Jaxa unter anderem die Errichtung einer Roboter-Basis auf dem Mond.

Indien startet erste unbemannte MondmissionMondmission
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Indien

Seit 1969 verfügt Indien mit der Indian Space Research Organisation über eine eigene Weltraumagentur. Wurde der erste indische Satellit 1975 noch mit einer sowjetischen Rakete ins All gebracht, so besitzt das Land inzwischen eigene Trägersysteme für den Transport von Nutzlast in den erdnahen Weltraum.

Größter Erfolg des indischen Raumfahrtprogramms war der Start der eigenen Mondsonde Chandrayaan-1 im Oktober 2008 (Bild). Für 2013 ist die Nachfolgemission Chandrayaan-2 geplant.

Raketen-Explosion in BrasilienRaketenstart
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Brasilien

Seit 1961 erkundet Brasilien mit der INPE (Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais = Nationales Institut für Weltraumforschung) das All. Neben die eher forschungsorientierte Behörde trat 1994 die Agencia Espacial Brasileira zur Koordinierung der Raumfahrtaktivitäten des Landes. Ein Jahr zuvor hatte eine US-Rakete den ersten brasilianischen Satelliten ins All befördert.

Die Entwicklung eines eigenen brasilianischen Trägersystems stand bislang unter keinem guten Stern. Am 22. August 2003 explodierte eine Rakete des Typs VLS-1 an ihrem Startplatz auf der Luftwaffenbasis Alcantara im Norden des Landes. 21 Menschen kamen dabei ums Leben, die Katastrophe warf das brasilianische Raumfahrtprogramm um Jahre zurück. Nach derzeitigem Planungsstand ist frühestens 2013 mit einem neuen Teststart zu rechnen.

Rakete vom Weltraumbahnhof Naro in Südkorea gestartetRakete Südkorea
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Südkorea

Dem Ziel, Südkorea bis 2015 zu einer führenden Weltraumnation aufsteigen zu lassen, hat sich das 1989 gegründete Kari (Korea Aerospace Research Institute) verschrieben. Neben erfolgreichen Satellitenstarts (unter anderem Arirang-1 im Jahr 1999) kann das Land inzwischen auch auf den ersten Start eines eigenen Trägersystems zurückblicken: Am 25. August 2009 hob die erste Rakete des Typs Naro-1 vom Naro Space Center im südkoreanischen Goheung ab (Bild).

Zur Verwirklichung seiner ehrgeizigen Raumfahrtpläne setzt Südkorea auf eine enge Zusammenarbeit mit Russland. So basiert die Naro-Rakete in wesentlichen Teilen auf dem russischen Angara-System. Den guten Weltraum-Beziehungen beider Länder verdankte die koreanische Astronautin Yi So-yeon auch ihren Platz in einem Sojus-Raumschiff, das sie 2008 als erste Südkoreanierin ins All brachte.

The Safir (ambassador) satellite-carrier rocket is seen before launch at Iran's space centre in Tehran
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Iran

2004 nahm die iranische Weltraumagentur ihre Arbeit auf. Ein Jahr später brachte eine russische Kosmos-3-Rakete den ersten iranischen Satelliten ins All. Inzwischen verfügt das Land mit der "Safir" über ein eigenes Trägersystem zum Transport von Satelliten. Für die Zukunft sind auch bemannte Missionen geplant, spätestens 2019 soll die erste verwirklicht werden.

Shavit
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Israel

Mit der Etablierung einer eigenen Weltraumbehörde bekundete Israel 1983 seinen Willen, dem Club der Weltraumnationen beizutreten. 1988 war es soweit: Mit Ofeq-1 startete der erste israelische Satellit zu seiner Reise ins All. Inzwischen verfügt das Land mit der Shavit-Rakete über ein zuverlässiges System zum Transport von Satelliten in den erdnahen Weltraum.

Der Bau der modularen großen Raumstation soll 2019 begonnen und um 2022 abgeschlossen werden. Sollte die ISS wie geplant 2024 ihren Dienst einstellen, wäre China danach die einzige Nation mit einem ständigen Außenposten im All.

Der erste unbemannte chinesische Nachschubflug zu dem Raumlabor war der letzte Schritt in der Vorbereitungsphase. Das fünftägige Auftanken sei „ein Durchbruch“ gewesen, auch diese schwierige Technologie zu beherrschen.

„Er legte eine solide Grundlage für die Konstruktion der Raumstation“, sagte der Direktor. „Wir sind mit den Vorbereitungen im Grunde fertig und warten nur noch auf die Fertigstellung der Module.“

Im Gegensatz zu der 200 Tonnen schweren ISS soll Chinas Raumstation kleiner ausfallen und nur 66 Tonnen wiegen. „Das ist genug für uns.“

Das Design mit drei Modulen sei auch flexibler. Während die ISS in den 90er Jahren entworfen worden sei, kämen in Chinas Station neueste Technologien zum Zuge. Chinesische Astronauten sollen dort drei bis sechs Monate oder auch länger wohnen.

Kooperation nicht ausgeschlossen
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