Raumfahrt Die Nasa vermisst ihre Spaceshuttles

30 Jahre lang war die Spaceshuttle-Flotte Amerikas ganzer Stolz und Garant der Vormachtstellung im All. Doch Unfälle und riesige Kosten brachten das Ende. Vor einem Jahr rollte die letzte Fähre ins Museum.
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Spaceshuttle Atlantis auf dem Weg ins Museum auf dem Gelände des Kennedy Space Center in Cape Canaveral (US-Bundesstaat Florida). Nach dem Ende ihrer Shuttle-Flotte hat die Nasa kein Raumschiff mehr, um Astronauten ins All zu bringen. Quelle: dpa

Spaceshuttle Atlantis auf dem Weg ins Museum auf dem Gelände des Kennedy Space Center in Cape Canaveral (US-Bundesstaat Florida). Nach dem Ende ihrer Shuttle-Flotte hat die Nasa kein Raumschiff mehr, um Astronauten ins All zu bringen.

(Foto: dpa)

WashingtonEs war das Ende einer Ära: Mit viel Wehmut verabschiedeten die Amerikaner im vergangenen Jahr ihre legendäre Spaceshuttle-Flotte in den Ruhestand. Als letztes rollte vor einem Jahr, am 2. November, die „Atlantis“ ins Besucherzentrum des Weltraumbahnhofs Cape Canaveral, wo sie seit diesem Sommer öffentlich ausgestellt ist.

Zuvor waren bereits die anderen verbliebenen Raumfähren der Flotte - „Enterprise“, „Endeavour“ und „Discovery“ - zu ihren endgültigen Ruheplätzen in verschiedenen US-Museen gebracht worden. Dort kann jeder den Shuttles zur großen Freude von Raumfahrtfans ganz nahe kommen - für die US-Raumfahrtbehörde Nasa aber begann mit dem Ende dieser Ära das große Umdenken.

Eine Raumfahrt-Epoche geht zu Ende
huGO-BildID: 2409117 The space shuttle
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Der Himmel über Florida ist einmal noch ihre Bühne. Mit gleißenden Feuerschweif und donnernden Startraketen wird sich die Raumfähre Atlantis - gutes Wetter vorausgesetzt - an diesem Wochenende in den Himmel schrauben. Nur Minuten, dann verschwindet der Spaceshuttle im Himmel – und die Menschheit ist um spektakuläres Schauspiel ärmer. Es ist der letzte Flug einer US-Raumfähre ins All.

Space Shuttle Legacy
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Die Mission der Atlantis ist anders als all die 134 Shuttle-Flüge zuvor. Zwar gibt es einen wichtigen Auftrag: Mehr als zehn Tonnen Ersatzteile, Proviant und Kleidung zur Internationalen Raumstation ISS zu hieven. Doch die US-Raumfahrtbehörde Nasa weiß, dass der zwölftägige Flug eher als Ehrenrunde empfunden wird. Nicht umsonst peilt sie die Rückkehr für den 20. Juli an – das 42. Jubiläum der Mondlandung.

Richard Nixon
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Begonnen hatte dieses besondere Kapitel der Raumfahrt eigentlich als Sparprogramm. Der damalige US-Präsident Richard Nixon durchkreuzte 1972 die teuren Nasa-Pläne für eine Raumstation im All, von der aus Flüge zum Mond und Mars starten sollten. Stattdessen kündigte er die Entwicklung einer wiederverwendbaren Raumfähre an. Das Ziel: Mensch und Material zugleich ins All schaffen – und mit Ladung an Bord wie ein Flugzeug wieder auf der Erde landen können. Eine Revolution!

Raumschiff Enterprise löst sich vom Trägerflugzeug
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Zum Testflug hob im September 1976 der Prototyp Enterprise ab – von einem Jumbo-Jet, der den Flieger huckepack in die Luft befördert hatte. Das Huckepack-Verfahren kam auch später noch zum Einsatz: Immer dann, wenn eine Raumfähre wetterbedingt nicht auf der Heimatbasis landen konnte, musste sie per Jumbo heimgeholt werden – ein teures Verfahren, das die Nasa möglichst zu vermeiden suchte.

NASA handout photo of Endeavour on its way back to the Kennedy Space Center
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Überhaupt die Kosten: Die Raumgleiter sind technisch kompliziert wie kaum eine andere Maschine – das macht sie weniger verlässlich und ihre Wartung teuer. Und so entwickelte sich der vermeintlich günstige Weg ins All zu einem finanziellen Kraftakt, der das Nasa-Budget pro Flug mit rund einer Milliarde Dollar belastete.

Galileo-Sonde soll in Jupiter-Atmosphäre verglühen
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Andererseits bescherten die Orbiter der Nasa viele Triumphe. Sie brachten wichtige Raumsonden auf den Weg – etwa im Jahr 1989 die Galileo-Sonde, die den Planeten Jupiter erkundete.

Hubble-Reparatur 1993
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Das Weltraumteleskop Hubble wäre ein teurer Fehlschlag geblieben, hätten die Astronauten der Raumfähre Columbia im Jahr 1993 nicht einen Fehler im Hauptspiegel korrigiert. Der komplizierte Reparatureinsatz im All war die erste von insgesamt fünf Hubble-Wartungsmissionen verschiedener Shuttle-Crews, mit denen die Lebensdauer des Teleskops weit über dessen angesetzte Betriebsdauer hinaus verlängert werden konnte.

Rund 30 Jahre lang - seit dem ersten Start der „Columbia“ am 12. April 1981 - war das Shuttle-Programm Amerikas ganzer Stolz und Garant der US-Vormachtstellung im All gewesen. Eine ganze Generation von Amerikanern wuchs mit der Flotte auf, die mehr als 870 Millionen Kilometer zurücklegte, mehr als 21.000  Mal die Erde umrundete und insgesamt 852 Crewmitglieder transportierte.

Die Shuttles wurden zu nationalen Ikonen. Aber die horrenden Kosten - ein einfacher Transport zur Internationalen Raumstation ISS kostete zuletzt rund 700 Millionen Euro - und die tragischen Unglücke der „Challenger“ und der „Columbia“ setzten dem Programm schließlich ein Ende. Insgesamt waren dabei 14 Astronauten ums Leben gekommen. Im Juli 2012 kehrte die „Atlantis“ zum letzten Mal aus dem All zurück.

Bei vielen Experten blieben Schock und Ratlosigkeit: Wie sollte es weitergehen? Astronauten und Versorgungsnachschub mussten doch weiter zur ISS gebracht werden, schließlich gab es bestehende Verträge. Und sollte die Erkundung des Weltalls - traditionell ein wichtiger Beitrag für den amerikanischen Stolz - so einfach sang- und klanglos aufgegeben werden?

Einem ursprünglich geplanten Nasa-Nachfolgeprogramm drehte US-Präsident Barack Obama den Geldhahn ab. „In der Geschichte der bemannten Raumfahrt gab es immer ein Nachfolgeprogramm“, klagte Nasa-Manager Mike Leinbach öffentlich. „Jetzt haben wir nichts, und es ist mir peinlich, dass wir nichts haben.“

Vom Platzhirsch zum Mitfahrer
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