Raumfahrt
Europäisches Weltraumlabor „Columbus“ soll ins All

Selten hat sich auf dem US-Weltraumbahnhof Cape Canaveral ein Start derart lange verzögert. Erst hätte der Shuttle „Atlantis“ mit dem europäischen Weltraumlabor „Columbus“ am 6. Dezember abheben sollen - doch zwei defekte Tankuhren machten einen Strich durch die Rechnung.

dpa WASHINGTON. Selten hat sich auf dem US-Weltraumbahnhof Cape Canaveral ein Start derart lange verzögert. Erst hätte der Shuttle „Atlantis“ mit dem europäischen Weltraumlabor „Columbus“ am 6. Dezember abheben sollen - doch zwei defekte Tankuhren machten einen Strich durch die Rechnung.

Mehrmals wurde der Start um einige Stunden verschoben, dann für ein paar Tage, schließlich um Wochen. Jetzt soll es am 7. Februar endlich losgehen. Zwölf Tage soll die Mission zur Internationalen Raumstation ISS dauern, in Außeneinsätzen müssen der deutsche Astronauten Hans Schlegel und seine Kollegen das Labor dort andocken. Für die europäische Raumfahrt geht ein Traum in Erfüllung - doch es gibt noch Probleme.

Damit die chronisch störanfälligen Tanksensoren nicht noch mal das ganze Projekt zum Scheitern bringen, hat die US-Weltraumbehörde Nasa eigens ihre Sicherheitsbestimmungen gelockert: Wenn an diesem Donnerstag „Atlantis“ betankt wird, gilt nicht mehr die Bedingung, dass alle vier Sensoren funktionieren müssen, auch beim Ausfall eines Sensors soll gestartet werden. Tatsächlich ist das Funktionieren der Sensoren lebenswichtig: Bei leerem Tank müssen sofort die Triebwerke abgeschaltet werden. Geschieht dies nicht, würden die Triebwerke in Kürze heiß laufen, „Atlantis“ könnte explodieren.

Dabei hat die Nasa gerade einer der schlimmsten Katastrophen in der Geschichte der Raumfahrt gedacht: Just am 1. Februar vor fünf Jahren hatte sich das Unglück der Raumfähre „Columbia“ ereignet. „Columbia“ war auf dem Rückflug beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verglühte, weil der Hitzeschild des Shuttle beschädigt war. Alle sieben Menschen an Bord starben, über zwei Jahre lang wurden alle Shuttle-Flüge auf Eis gelegt.

„Ich denke jeden Tag an "Columbia", wie es passieren konnte und wie wir Ähnliches vermeiden können“, sagte der Chef des Nasa-Shuttle-Programms, Wayne Hale. Auch bei „Atlantis“ wolle man keinesfalls lax werden. „Beim ersten Tanken am Donnerstag werden wir ganz genau hinschauen“, verspricht Hale. „Wenn uns uns etwas merkwürdig vorkommt, werden wir es ganz genau unter die Lupe nehmen.“

Doch die Nasa-Experten machen zugleich immer wieder klar, dass es “100 prozentige Sicherheit“ in der Raumfahrt nicht gibt, es handele sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen um ein „riskantes Unternehmen“, nicht zuletzt deshalb, weil die Shuttles nach gut 25 Dienstjahren als „Auslaufmodell“ gelten. Bereits 2010 sollen die Flüge eingestellt werden.

Die Inbetriebnahme des „Columbus“-Labors ist ein Meilenstein für die Europäer. „Mit "Columbus" wird die ISS erst richtig international“, heißt es bei der Nasa. Bislang geben vor allem Amerikaner in der Raumstation fast 400 Kilometer über der Erde den Ton an. Experten sehen das dreizehn Tonnen schwere Labor als Juwel der Wissenschaft: Sieben Nutzlastschränke für verschiedenste Forschungen sind fest eingebaut. Die Untersuchungen reichen von der Medizin bis zu Materialforschung, von der Grundlagenphysik der Flüssigkeiten bis zu Studien über Einzeller und wirbellose Tiere. „Nur die wissenschaftliche Kernfrage ist immer gleich“, meint der „Columbus“-Chefingenieur Rüdiger Kledzik aus Bremen. „Was passiert unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit?“

Bei einer „beinahe lebensnahen“ Studienreihe gehe es etwa um Knochen- und Muskelschwund. „In der Schwerelosigkeit des Alls werden jeden Monat zehn Prozent der Muskelmasse des menschlichen Körpers abgebaut“, sagt ein Experte. „Diesen Zeitraffer-Effekt versuchen die Forscher von "Columbus" zu nutzen.“ Dabei gebe es ein doppeltes Ziel: Erkenntnisse zur Bekämpfung der Krankheit zu gewinnen, etwa von Osteoporose - aber auch für künftige Langzeiteinsätze im All. „Denn eine Reise zum Mars und zurück dauert zwei Jahre. Für das Problem Muskel- und Knochenschwund muss bis dahin eine Lösung gefunden werden.“

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