Raumfahrt
Hinweise auf flüssiges Wasser auf dem Mars

Forscher sind sich so gut wie sicher: Auf dem Mars fließt auch heute noch gelegentlich flüssiges Wasser. Die Nasa- Sonde „Mars Global Surveyor“ hat jedenfalls Bilder vom Roten Planeten gefunkt, die diesen Schluss nahe legen, wie Wissenschaftler im Fachjournal „Science“ (Bd. 314, S.

dpa WASHINGTON. Forscher sind sich so gut wie sicher: Auf dem Mars fließt auch heute noch gelegentlich flüssiges Wasser. Die Nasa- Sonde „Mars Global Surveyor“ hat jedenfalls Bilder vom Roten Planeten gefunkt, die diesen Schluss nahe legen, wie Wissenschaftler im Fachjournal „Science“ (Bd. 314, S. 1 573) von diesem Freitag berichten.

Die Expertengemeinde ist trotz des ein oder anderen Zweifels begeistert und rätselt schon: „Deutet das auf eine Umgebung für Leben hin?“, wie der Nasa-Chefwissenschaftler für die Untersuchung des Roten Planeten, Michael Meyer, bei der Vorstellung der Beobachtungen in Washington fragte. Wassereis und Wasserdampf sind vom Mars bekannt. Als eine der Bedingungen für mögliches Leben gilt jedoch flüssiges Wasser.

Die Marssonde hatte im Abstand von sieben Jahren Vergleichsbilder mehrerer Regionen fotografiert. Auf den neueren Aufnahmen sind in zwei abschüssigen, jeweils mehrere hundert Meter langen Erdrinnen frische Ablagerungen zu sehen, die nach Angaben der US- Weltraumbehörde vermutlich durch Wasserflüsse entstanden. „Sie haben fingerartige Verzweigungen am unteren Ende, die sich leicht um kleine Objekte herumwinden“, erklärte US-Forscher Michael Malin, dessen Firma die Kamera für den „Mars Global Surveyor“ baute. Die Beobachtungen seien der bislang stärkste Beleg, dass immer noch gelegentlich Wasser auf der Marsoberfläche fließe, sagte Meyer.

Hinweise auf flüssiges Wasser habe es bislang nur aus Mrd. Jahre alten Formationen gegeben, betonte der Forscher Ken Edgett aus Malins Team. „Heute reden wir von flüssigem Wasser, das jetzt da ist.“ Möglicherweise gebe es Grundwasserschichten auf dem Mars, die normalerweise durch Eis versiegelt seien, aber gelegentlich zur Oberfläche durchbrechen könnten, heißt es in einem Begleitkommentar in „Science“ (S. 1 573).

Was die Forscher in ihren Vermutungen bestärkt, ist die Helligkeit der Ablagerungen, die auf den Fotos wie kleine weiße Lawinen auf grauem Grund aussehen. Dies deute auf eine Eisschicht oder von Wasser ausgewaschenes Salz hin. Ursachen indes, bei denen kein Wasser im Spiel ist, seien unwahrscheinlich, zitiert „Science“ die Nasa- Planetologin Jennifer Heldmann.

Das Team um Malin errechnete, dass möglicherweise jeweils eine Wassermenge durch die beiden Rinnen floss, die fünf bis zehn Schwimmbeckenfüllungen entspricht. Wegen der dünnen Marsatmosphäre habe das Wasser beim Austritt an die Oberfläche vermutlich gebrodelt und gesiedet, ohne heiß zu sein. Auf dem Mars verflüchtigt oder friert flüssiges Wasser schnell. Die Wissenschaftler vermuten jedoch, dass es nach dem Austritt aus dem Marsinneren noch lange genug flüssig bleibt, um über eine bestimmte Strecke Gestein mit sich zu reißen, bevor es friert.

Manche Forscher sind noch skeptisch und fordern weitere Erkenntnisse, um andere Erklärungen auszuschließen, zu denen körniges Material oder gefrorenes Kohlendioxid zählen könnte. „Die Hinweise sind sehr dramatisch. Sie sind aber in erster Linie als Hinweise dafür zu sehen, dass man neuere Messdaten nehmen sollte“, sagte Michael Khan, Missionsanalytiker beim Kontrollzentrum (Esoc) der Europäischen Weltraumorganisation Esa in Darmstadt. Der Esa-Satellit „Mars-Express“ solle nun voraussichtlich seine Sensoren auf die Fundstellen richten

Um Zweifel auszuräumen, setzen die Forscher ihre Hoffnungen auch auf eine weitere Marssonde, den „Mars Reconnaissance Orbiter“, der erst vorigen Monat seine Arbeit aufnahm. Er hat eine hochauflösende Spezialkamera an Bord, die aus der Ferne die chemische Zusammensetzung der Ablagerungen zu untersuchen vermag. Für den „Mars Global Surveyor“ indes zählten die spektakulären Fotos zu den letzten Aufgaben für die Wissenschaft. Seit 1997 kreist die Sonde um den Roten Planeten. Im November verlor die Nasa den Kontakt.

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