Raumfahrt
Im Sturzflug zurück zum Mond

Die Nasa kehrt im Sturzflug auf den Mond zurück: 40 Jahre, nachdem die ersten Menschen den Fuß auf den Erdtrabanten setzten, sollen in der Nacht zu Freitag gleich zwei Sonden zum Erdtrabanten geschickt werden. Eine von ihnen soll sich in einen Mondkrater stürzen.
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WASHINGTON. Wie es sich zu einem Jubiläum gehört, geschieht die Rückkehr der Nasa zum Mond mit einem Paukenschlag: Denn eine der beiden Robotersonden, die in der Nacht zu Freitag vom Weltraumbahnhof in Cape Canaveral (Florida) abheben sollen, will die US- Raumfahrtbehörde im Oktober in zwei Teilen auf die Mondoberfläche prallen lassen. Von dieser Kamikaze-Aktion erhofft sich die Nasa Aufschluss über die mögliche Existenz von Wassereis in den stets im Schatten liegenden Kratern an den Mondpolen - wichtig für einen möglichen künftigen lunaren Außenposten.

Dabei ist es mittlerweile gar nicht mehr so sicher, ob es überhaupt zu einer derartigen bemannten Station auf dem Mond kommt. Denn gedacht war sie als eine Art Sprungbrett für die erste bemannte Mars-Mission, die seinerzeit Präsident George W. Bush ehrgeizig für das Jahr 2037 angekündigt hatte. Sein Nachfolger Barack Obama lässt nun erst einmal prüfen, ob das gigantische Vorhaben überhaupt die immensen Summen wert ist, die es verschlingen würde.

Aber das ändert nichts an der Begeisterung der Astronomen für die Entsendung des Roboter-Tandems zum Erdtrabanten, denn das Projekt verspricht eine vielfältige Ausbeute. So wird, wenn alles klappt, erstmals eine atemberaubend detaillierte dreidimensionale Landkarte vom Mond erstellt. Zugleich könnte damit - auch das lässt die Herzen vieler Wissenschaftler höherschlagen - der Schleier alter Geheimnisse um frühere Mondmissionen gelüftet werden, manche davon aus der Zeit des Kalten Krieges. Wo beispielsweise ist der erste sowjetische Mondrover "Lunochod" geblieben, der seinerzeit nach einer 322-tägigen Reise so plötzlich verstummte, dass das Kontrollteam auf der Erde seine exakten Koordinaten nicht mehr herausfinden konnte?

Die Sonde, die den Mondatlas erstellen soll, heißt "Lunar Reconnaissance Orbiter" (LRO), ihr Gefährte beim gemeinsamen Start an Bord einer "Atlas"-Rakete in Cape Canaveral (Florida) hat den Namen "Lunar Crater Observing and Sensing Satellite" (LCROSS). Der Orbiter wird der Nasa zufolge nach dem Abheben rund vier Tage benötigen, um den Mond zu erreichen, zunächst in eine elliptische und danach eine kreisrunde Umlaufbahn einschwenken. Nur 50 Kilometer über der Mondoberfläche soll LRO dann ein Jahr lang mit seinen sieben Instrumenten Daten sammeln, um - wie die Nasa es formuliert - "eine Rückkehr von Menschen auf den Mond zu ermöglichen". Die Aufnahmen werden nach den Erwartungen der Behörde bis auf einen Meter genau sein, also könnten auch kleinere Felsbrocken zu sehen sein und vielleicht die Reifenspuren von früher entsandten Roboterfahrzeugen.

50 Hauptzielregionen hat sich die US-Weltraumbehörde für besonders genaue Erkundungen ausgeguckt, darunter alle sechs "Apollo"-Landeplätze und die Orte, an denen einst Dutzende amerikanische und sowjetische Sonden aufsetzen. "Wir werden in einem polaren Orbit sein, der alles in nur 50 Kilometer Entfernung überfliegt, was jemals auf dem Mond gelandet ist", schwärmt Benjamin Neumann, einer der leitenden Nasa-Projektmanager.

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