Raumfahrt
Per Billigflieger zum Mond

Wie ein Autoverkäufer, dessen Luxusschlitten sich die Kunden nicht mehr leisten können, hat die Nasa quasi aus der Hintertasche Pläne für einen billigeren Flug zum Mond hervorgezaubert: Alles eine Nummer kleiner, nicht mehr so prächtig - und das Design ist auch schon etwas in die Jahre gekommen.
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WASHINGTON. Offiziell hält die US-Weltraumbehörde immer noch an ihren vier Jahren alten Plänen für einen Mondflug fest: 35 Mrd. Dollar sollen dafür ausgegeben werden, eine neue Rakete zu bauen und in einigen Jahren Menschen zum Mond und wieder zurückzubringen. Einer der Topmanager der Nasa hat jetzt aber einen Entwurf vorgelegt, wie das ganze auch mit rund 6,6 Mrd. Dollar ginge. Die im ursprünglichen Konzept vorgesehenen Raketen, die Menschen befördernde Ares I und die Fracht transportierende Ares V, werden dabei nicht gebraucht. Und doch kämen die USA zum Mond.

Nach diesen Vorstellungen würde das Raumschiff zum Mond mit etwas fliegen, das jedem vertraut vorkommen dürfte: einem mächtigen Shuttle-System mit dem riesigen orangen Treibstofftank und den beiden Zusatzraketen - nur ohne Shuttle. Stattdessen würden zwei andere Dinge ins All transportiert, ein Frachtbehälter und eine Apollo-ähnliche Kapsel für die Astronauten. Beide Geräte könnten sowohl zum Mond, als auch zur Internationalen Raumstation fliegen.

Die Idee stammt vom Manager des Shuttle-Programms, John Shannon. Er stellte sie kürzlich der Kommission vor, die die Raumfahrtpläne der Nasa derzeit überprüft. Shannon betont, dass er eigentlich nichts gegen die neuen Raketen habe, aber er befürchte, dass die Kosten zu einem Problem werden könnten. Seit drei Jahren arbeitet er deshalb mit anderen an einem Alternativplan. Das sei kein Bruch mit der Nasa, betont er. „Es ist mir egal, welches Startgerät wir benutzen, ich will nur zum Mond.“

Die erste Reaktion der von Präsident Barack Obama eingesetzten Kommission war positiv. „Hervorragend, sehr gut“, sagte der Kommissionsvorsitzende Norman Augustine, der nach eigen Worten ähnliche Pläne auch schon vor 20 Jahren hatte.

Augustines Reaktion und die Tatsache, dass der Vorschlag aus dem oberen Management der Nasa kommt, deuten darauf hin, das man sich bei der US-Raumfahrtbehörde schon Gedanken über billigere Alternativen zum bisherigen Plan macht. Es zeige, dass es Zweifel am gegenwärtigen Ansatz gebe, erklärt Keith Cowing, ein früherer Nasa-Techniker, der die Website Nasawatch.com betreibt.

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