Raumfahrt
Thomas Reiter zieht Bilanz aus dem All

Nach knapp drei Monaten im All hat der deutsche Astronaut Thomas Reiter in einer Live-Schaltung zum Europäischen Astronautenzentrum in Köln eine positive Halbzeit-Bilanz seiner Mission gezogen.

dpa KöLN. Nach knapp drei Monaten im All hat der deutsche Astronaut Thomas Reiter in einer Live-Schaltung zum Europäischen Astronautenzentrum in Köln eine positive Halbzeit-Bilanz seiner Mission gezogen.

„Es ist ein überwältigendes Gefühl, wenn man sieht, wie groß diese Raumstation ist“, sagte der Esa-Astronaut an Bord der Internationalen Raumstation ISS am Freitag. Die Stimmung an Bord sei gut, der Arbeitsalltag bestehe vor allem aus Experimenten und Wartungsarbeiten. Reiter (48) war Anfang Juli als erster deutscher Astronaut zu einer Langzeitmission mit Außenbordeinsatz gestartet und soll vor Weihnachten von seiner „Astrolab“-Mission zurückkehren.

Reiter sagte in der zehnminütigen Live-Übertragung, er genieße in seiner raren Freizeit eine „wunderschöne Aussicht“ auf die Erde und halte regelmäßigen E-Mail-Kontakt zu seiner Familie. Ein Chemiealarm vor wenigen Tagen an Bord der ISS sei für das dreiköpfige Team der 13. Langzeitbesatzung glimpflich und ohne gesundheitliche Folgen verlaufen. „Wir haben die Situation sehr schnell im Griff gehabt.“ Wegen plötzlich auftretender Dampfschwaden und eines unangenehmen Geruchs hätten er, der russische Kosmonaut Pawel Winogradow und der Nasa-Astronaut Jeffery Williams vorübergehend Atemschutzmasken anlegen müssen und dann Entwarnung gegeben.

Erst am Mittwoch waren an Bord einer Sojus-Kapsel der US-Astronaut Michael Lopez-Alegria und der russische Kosmonaut Michail Tjurin auf der Station angekommen, begleitet von der amerikanischen Weltraumtouristin Anousheh Ansari. Gemeinsam mit Reiter bilden die beiden Spezialisten die „Expedition 14“. Bei der Esa in Köln betonte Astronaut Reinhold Ewald, Reiter komme damit nun eine wichtige Senior-Funktion zu. Reiter habe alle Hände voll zu tun mit wissenschaftlichen Experimenten. Seine bisherigen Kollegen Williams und Winogradow, die seit April an der ISS arbeiten, werden in einigen Tagen gemeinsam mit Ansari auf die Erde zurückkehren.

Reiter wirkte entspannt und gut gelaunt, betonte aber, die Arbeit in der Enge sei „kein Zuckerschlecken“. Heimweh habe er nicht - „auch wenn man nach fast drei Monaten eine ganze Menge Dinge vermisst.“ Highlights seien die Videokonferenzen mit seiner Familie, meinte der gebürtige Frankfurter. Das Gefühl der Schwerelosigkeit nannte er „fantastisch“, noch immer frage er sich manchmal: „Ist das nicht nur ein Traum.“

Das Europäischen Raumfahrtagentur Esa betonte in Köln, es seien weitere europäische bemannte Missionen zur ISS noch im Dezember und 2007 geplant. Europas wichtigster Beitrag sei das Weltraumlabor „Columbus“, das 2007 in den Orbit gebracht werden soll. Der deutsche Astronaut Hans Schlegel werde im Oktober 2007 zur ISS fliegen, um bei der Montage des Labors mitzuwirken. Zuvor wird der Schwede Christer Fuglesang im Dezember im Rahmen einer US-Space-Shuttle-Mission mitstarten, um weitere Montagearbeiten vorzunehmen. Die Raumfähre wird Thomas Reiter dann zurück zur Erde bringen.

Erst am Donnerstag war die US-Raumfähre „Atlantis“ im US-Weltraumbahnhof Cape Canaveral gelandet. Die sechsköpfige Crew hatte bei Außenbordeinsätzen zwei riesige Sonnensegel an der ISS angebracht und damit die Energieversorgung auf der Station verdoppelt. Die ISS ist derzeit etwa zur Hälfte ausgebaut und soll bis zum Jahr 2010 ihre endgültige Größe erreicht haben.

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