Raumfahrt
Umgebaute Atomrakete explodiert nach dem Start

Die erfolgsverwöhnte russische Raumfahrt muss einen Fehlschlag verkraften: Eine unbemannte Trägerrakete, die 18 Satelliten ins All befördern sollte, stürzte kurz nach dem Start ab. Damit sind die orbitalen Träume Weißrusslands geplatzt, das prestigeträchtig einen Überwachungssatelliten in eine Umlaufbahn bringen wollte.

HB BAIKONUR. Wie russische Medien berichteten, stürzte die „Dnepr“ genannte umgebaute sowjetische Interkontinentalrakete vom Typ R-36 M nach anderthalb Minuten Flugzeit im Grenzgebiet zu Usbekistan ab. Diese Stelle befindet sich etwa 200 Kilometer entfernt vom Weltraumbahnhof Baikonur, wo die Dnepr aus einem Silo gestartet worden war. In den Dörfern rund um die Absturzstelle sei niemand zu Schaden gekommen, erklärte die russische Weltraumbehörde. Naturschützer warnten vor Umweltschäden durch die verbliebenen 70 bis 80 Tonnen hochgiftigen Raketentreibstoffs. „Man muss davon ausgehen, dass ein großer Teil des Raketentreibstoffs ausgelaufen ist“, sagte der Vorsitzende des russischen Verbandes für Chemie-Sicherheit, Lew Fjodorow, in Moskau.

Nach ersten Erkenntnissen zündeten zwei der drei Stufen der Rakete nicht richtig. Ob nun der geplante Start der nächsten Dnepr-Rakete Ende September verschoben wird, blieb offen. In der Vorwoche war in Baikonur der Start des europäischen Wettersatelliten Metop wegen wiederholter Raketenprobleme auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

Die Rakete aus dem Arsenal der einstigen Raketentruppen der sowjetischen Armee sollte18 Satelliten ins All befördern, darunter den ersten Überwachungssatelliten Weißrusslands. Die ehemalige Sowjet-Republik wäre erstmals mit einem Gegenstand im Weltraum vertreten gewesen, wenn die Mission geglückt wäre. Weißrusslands autorität regierender Präsident Alexander Lukaschenko hatte den Start vor Ort beobachtet. Die übrigen Satelliten sollten unter anderem für russische, italienische und kolumbianische Auftraggeber im All neue Technologien erproben oder die Erde erkunden.

Die R-36 M, die als größte jemals gebaute Interkontinentalrakete gilt, wird von einem ukrainischen Unternehmen für Weltraumstarts umgebaut. Weil sich die Firma eingelagerter Raketen bedient, kann sie Konkurrenten etwa in China, den USA oder Französisch-Guyana preislich unterbieten. Die „Dnepr“ wird aus einem Silo gestartet. Bisher gab es einen Test- und sechs kommerzielle Flüge, die nach Angaben der Online-Enzyklopädie Wikipedia sämtlich erfolgreich verliefen. Die 34 Meter hohe und betankt 211 Tonnen schwere „Dnepr“-Rakete kann 3 700 Kilogramm Nutzlast ins All befördern.

Die R-36 M war zu Zeiten des kalten Krieges konzipiert und 1967 in Dienst gestellt worden, um die Silos amerikanischer „Minuteman“-Interkontinentalraketen zu zerstören. Die letzte Version der 1979 ausgemusterten Raketen mit Flüssigtreibstoff-Antrieb konnte drei Gefechtsköpfe tragen, die jedoch nicht unabhängig voneinander ins Ziel gelenkt werden konnten. 1983 wurde die letzte Rakete im Zuge der Abrüstungsverhandlungen zwischen den USA und der Sowjetunion ausgemustert.

Bei russischen Raketenstarts gab es in den vergangenen sechs Jahren ein Dutzend Abstürze und andere schwerwiegende Probleme. Wegen eines Raketenproblems verfehlte Ende 2002 auch der 110 Millionen Euro teure europäische Kommunikationssatellit Astra-1K seine vorgesehene Position im Orbit.

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