Deutscher Astronaut Alexander Gerst

Der deutsche Astronaut Alexander Gerst an der ISS im Jahr 2014. Noch in diesem Jahr soll er wieder dort arbeiten. Missionen wie diese sind mit der Frage um die Finanzierung der ISS in Gefahr.

(Foto: dpa)

Raumfahrt USA wollen ISS privatisieren

Wenige Monate vor dem Flug des deutschen Astronauten Alexander Gerst zur Raumstation ISS gibt es eine Debatte über die Zukunft des Labors. Die USA möchten aus der Finanzierung aussteigen.
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Washington/MoskauDie USA wollen einem Bericht zufolge aus der Finanzierung der Internationalen Raumstation ISS aussteigen und eine Privatisierung des Weltraumlabors vorantreiben. Das berichtete die „Washington Post“ am Sonntag (Ortszeit) unter Berufung auf ein internes Dokument der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Demnach könnten die amerikanischen Module der ISS nach dem Ende der bislang geplanten Finanzierung 2024 an einen privaten Betreiber übertragen werden. Russische Experten bewerteten dies am Montag skeptisch.

Seit fast 20 Jahren betreiben die Raumfahrtbehörden der USA, Russlands, Japans, Kanadas sowie die europäische Esa gemeinsam die ISS. Zuletzt hatten die Mitglieder eine Finanzierung bis 2024 bestätigt. Zwar gab es etwa in Russland immer wieder Debatten über den Bau einer nationalen Raumstation, doch aufgrund hoher Kosten war bislang auch eine Fortsetzung des ISS-Programms nicht ausgeschlossen.

Das milliardenschwere Projekt startete im Herbst 1998. Seit 2000 ist das fliegende Forschungslabor rund 400 Kilometer über der Erde dauerhaft bewohnt und rast mit rund 28.000 Kilometer pro Stunde um den Blauen Planeten. Die meist sechsköpfige Besatzung verrichtet Grundlagenforschung in der Schwerelosigkeit.

Abflug zum Außenposten der Menschheit
Transport
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Die Vorbereitungen laufen: Morgen soll ein russischen Raumschiff auf dem Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan starten.

Kreuzung
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Am Mittwoch wurde die Sojus-Rakete mit einem Zug zur Startrampe gefahren.

Sojus-Rakete
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Baikonur gilt der größte Raketenstartplatz der Welt. Etwa 70 Prozent aller russischen Starts von kosmischen Flugkörpern finden dort statt.

Internationale Besatzung
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An Bord des Raumschiffs Sojus MS-05 sollen an diesem Freitag der Italiener Paolo Nespoli von der Europäischen Raumfahrtagentur Esa, der US-Astronaut Randolph Bresnik und der russische Kosmonaut Sergej Rjasanski Platz nehmen.

Verstärkung
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Ihr Ziel ist die Internationalen Raumstation ISS, wo sie die dreiköpfige Crew unterstützen werden.

Startklar
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Russische Techniker richteten die Rakete am Mittwoch an der Startrampe auf.

Riesiges Areal
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Nach offiziellen Angaben erstreckt sich das Kosmodrom Baikonur über eine Fläche von 6.717 Quadratkilometern,

Derzeit leben drei Amerikaner, zwei Russen und ein Japaner auf der ISS. Für Juni ist der Start des Deutschen Alexander Gerst geplant, der auch für einige Monate das Kommando übernehmen soll.

Das Ende der staatlichen Finanzierung bedeute nicht, dass die Station dann außer Betrieb genommen werde, heißt es nun in dem Nasa-Dokument. „Es ist möglich, dass die Industrie beginnen könnte, bestimmte Teile oder Fähigkeiten der ISS als Teil einer künftigen kommerziellen Plattform weiterzubetreiben.“

Ziel der US-Regierung unter Donald Trump sei es, den erdnahen Orbit für „nichtstaatlichen menschlichen Weltraumflug“ zu nutzen. Die Nasa könne dabei einer von vielen Kunden sein, zitierte die Zeitung.

Der russische Experte Iwan Moissejew kritisierte die US-Pläne für die ISS als Unsinn. „Das wird nichts“, sagte er der Agentur Ria Nowosti zufolge. Die Kosten der ISS seien so hoch, dass nur Staaten sie tragen könnten. „Unternehmen arbeiten für ihren Gewinn, das ist ihr einziges Ziel. Aber die ISS bringt keinen Gewinn, denn die Ausgaben sind deutlich höher als alle erdenklichen Einnahmen“, sagte der Leiter des Moskauer Instituts für Weltraumpolitik.

Weniger ablehnend kommentierte der Raumfahrtexperte Andrej Ionin von der russischen Akademie der Wissenschaften den Bericht. Früher oder später müsse der Dienst der ISS eingestellt werden. Man könne den USA daher nur danken, dass sie viele Jahre im Voraus Bescheid gäben.

Berichten zufolge zahlt allein die Nasa drei bis vier Milliarden Dollar pro Jahr für den Betrieb der ISS. Russland gilt als zweitgrößter Geldgeber. Kritiker verweisen darauf, dass Beschlüsse über die Zukunft nur im Konsens getroffen werden können.

Trump hatte der Nasa im Dezember eine klare Marschrichtung jenseits der ISS vorgegeben: Die USA wollen Astronauten auf den Mond und auf den Mars schicken. Dafür plant die Nasa eine neue Raumstation. Dieser sogenannte Deep Space Gateway soll um den Mond kreisen und von dort aus Landungen auf dem Erdtrabanten und Flüge tiefer ins All ermöglichen. Russland hat eine Mitarbeit schon zugesagt. Experten schließen nicht aus, das sich die Kräfte künftig von der ISS auf ein solches Projekt verlagern könnten.

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  • dpa
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2 Kommentare zu "Raumfahrt: USA wollen ISS privatisieren"

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  • Das ist mir völlig schnuppe und weit weg.

  • Der russische Experte Iwan Moissejew hat es richtig erkannt. Eine Raumstation wird niemals von einem Konzern freiwillig dauerhaft betrieben werden. Eher wird es so laufen, dass Konzerne das ganze Gebilde für einen symbolischen Dollar kaufen, eine Zeit lang lang betreiben und dann die Station in der Athmosphäre verglühen lassen. Natürlich sind die politisch verantwortlichen in den USA nicht blauäugig und streben planmäßig die Verschrottung auf diese Art und Weise an.

    Schon von Anfang an haben sich die Russen dagegen abgesichert und können ihren Teil jederzeit von der Reststruktur abtrennen. Mich würde es nicht wundern, wenn es dann eine russisch- chinesische Koopertation gibt. Ein Druckbehälter mit veralterter Technologie ist immer noch ein Wohnmodul, das man nicht mehr in den Orbit schießen muss.

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