Raumfahrt
Vega-Rakete fliegt erstmals ins All

Die neue europäische Rakete Vega ist zu ihrem Jungfernflug gestartet. Das speziell für kleinere Transporte entwickelte Trägersystem komplettiert die europäische Raketenfamilie.
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KourouDer europäische Trägerraketenfamilie ist seit Montag komplett: Der neue Kleinträger Vega hob um 11.00 Uhr deutscher Zeit problemlos zu seinem Jungfernflug vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana ab, wie die Europäische Weltraumorganisation ESA mitteilte.

Der neue vierstufige Träger kann kostengünstig Nutzlasten zwischen 300 Kilogramm und 2,5 Tonnen in den Weltraum befördern. Damit deckt die europäische Betreibergesellschaft Arianespace künftig alle Bereiche bis 20 Tonnen ab. Bisher standen nur die europäische Schwerlastrakete Ariane fünf und der russische Mittelklasseträger Sojus zur Verfügung.

„Es gibt nun keinen europäischen Satelliten mehr, der nicht von uns ins Alle gebracht werden könnte“, sagte Esa-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain in Kourou. „Das ist ein großer Tag für die Esa und besonders für Italien, wo die Vega geboren wurde.“ Rund 1000 Menschen und 40 Unternehmen seien an der Entwicklung beteiligt gewesen.

 An Bord der ersten Vega waren acht Kleinstsatelliten von europäischen Universitäten sowie als Hauptlast der rund 400 Kilo schwere italienische Forschungssatellit „Lares“. Der wegen seiner runden Form mit 92 glänzenden Spiegeln an eine große Discokugel erinnernde Flugkörper soll eine bessere Erforschung der „mitwirbelnden Raumzeit“ ermöglichen. Der sogenannte Lense-Thirring-Effekt ergibt sich aus Albert Einsteins Relativitätstheorie und bewirkt zum Beispiel, dass die Rotationen von Satelliten von der Anziehungskraft der Erde verändert werden.

 „Die Spiegel werden Laserstrahlen reflektieren, die wir von einer Bodenstation auf den Satelliten richten“, erklärte Alessandro Gabrielli von der italienischen Weltraumbehörde Asi. „Indem man mit hoher Genauigkeit den Weg des Strahls vermisst, haben wir die Möglichkeit, den Effekt zu erforschen.“

Die Kleinstsatelliten in Form von Würfeln mit gerade mal zehn Zentimetern Kantenlänge wurden maßgeblich von europäischen Studenten entwickelt. Mit ihnen sollen beispielsweise Solartechnologien getestet oder Strahlungsmessungen vorgenommen werden. Zwei der Satelliten kommen aus Rumänien und Ungarn. Für die beiden Länder sind es die ersten eigenen Satelliten im All.

„Lares“ wurde von der beim Start 137 Tonnen schweren Vega nach 55 Minuten Flug in einer 1450 Kilometer hohen Kreisbahn über der Erde ausgesetzt. Die anderen Satelliten folgten 15 Minuten später. Sie werden die Erde in einer elliptischen Bahn umkreisen.

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  • Unendliche Weiten und Vega ist die Zukunft, vielleicht gibt es auch inzwischen Überlegungen in Richtung "grüne Raketentechnologie, Treibstoff oder gar Raumschiff-Shuttle"?? Sojuskapseln sind die einzige Möglichkeit derzeit ins All zu kommen, wie steht es mit unserem europäischen Projekt eines EU-Raumgleiters?? Oder gibt es sogar inzwischen Experimente ala ein Flugzeug in den Orbit zu schicken - konzipiert wie ein Shuttle??

    Fazinierend - der Weltall und unsere Galaxie birgt ungehörige Möglichkeiten und wir kennen nur einen Bruchteil wenn gar Sternenkörnchen - freuen wir uns mit Vega und der ESA. Vielleicht gibt es ja irgendwann ein gemeinsames NASA-ESA Shuttle??

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