Raumfahrt
Von der Börde ins All

Ein alter Militärflughafen in Sachsen-Anhalt soll zur Keimzelle eines deutschen Raumfahrtzentrums werden. Zwei Unternehmer wollen von Cochstedt aus gut betuchte Weltraumtouristen an die Grenze zum Weltall bringen. Doch auch die Forschung könnte von dem Weltraumbahnhof profitieren.
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COCHSTEDT. Eine Befeuerungsanlage inmitten eines Weizenfeldes, grasende Schafe unweit des Towers, ab und zu ein Sportflugzeug. Viel los ist nicht auf dem Flughafen Cochstedt bei Magdeburg. Geht es nach Frank Günzel, so könnten hier schon im kommenden Jahr bemannte Raketenflugzeuge starten und ein Jahr später Passagiere in die Schwerelosigkeit befördern.

Der Diplom-Ingenieur träumt mit seinem Freund Peer Gehrmann seit Kindertagen davon, Raketen zu bauen. Seit einigen Jahren arbeiten sie an der Umsetzung. Ausschließlich privat finanziert und gemeinsam mit Projektpartnern aus der Luft- und Raumfahrtindustrie, wollen sie mit ihrer Firma Talis Enterprise Raketenflugzeuge entwickeln und bauen.

Derzeit sind die Arbeiten für das flugfähige Modell der Black Sky in der Endphase, ein bemanntes Testflugzeug, das 28 Kilometer hoch fliegen soll. 2011 soll dann die große Schwester Enterprise bis auf 120 Kilometer ins All steigen. Für Talis Enterprise ist Cochstedt ein perfekter Standort.

Der sachsen-anhaltischen Landesregierung allerdings macht der ehemalige Militärflughafen zwischen Magdeburg und dem Harz seit nahezu anderthalb Jahrzehnten schwer zu schaffen. Um ihn als Gewerbegebiet mit Start- und Landebahn auszubauen, flossen seit den 90er Jahren rund 60 Mio. Euro in den Flughafen und die dortige Infrastruktur.

Doch Gewerbebetriebe siedelten sich kaum an. Zuletzt verkaufte das Land den Flughafen an einen arabischen Investor. Doch der zahlte nicht, und Ende Juni erklärte Sachsen-Anhalt den Verkauf als ungültig.

Die Idee von den Raketenflugzeugen bezeichnet Wirtschaftsstaatssekretär Detlef Schubert als faszinierend. Auf seinem Tisch liegt derzeit ein Konzept für ein „Zentrum für Biologisch-Medizinische Forschung unter veränderten Schwerkraftbedingungen“. Das interdisziplinäre Vorhaben stammt von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und Partnern aus der Wirtschaft, zu denen auch Talis Enterprise gehört.

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