Raumfahrt
Wie Russland zum Weltraum-Großspediteur wird

Ein Raketenstart interessiert in Russland kaum noch jemanden. Weltraum-Transporte sind zur Routine geworden – auch dank eines uralten Exportschlagers, der die Russen zum Großspediteur im Kosmos machte.

MoskauBeim Start einer russischen Rakete kreuzen nur noch selten Fernsehteams auf. Transporte ins All sind für Russland keine Medienereignisse mehr, sondern eher trockene Routine: Im Schnitt verlässt alle zehn Tage ein Raketenträger den Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan oder das kleinere Areal nahe der nordrussischen Stadt Plessezk. Mit 31 Starts schickte die Weltraumbehörde Roskosmos im vergangenen Jahr fast jede zweite Rakete ins Universum.

Dass die Russen in den letzten Jahren zum Großspediteur des Kosmos geworden sind, verdanken sie einem uralten Exportschlager - dem Raketenträger vom Typ Sojus, Allzweckfrachter für bemannte wie unbemannte Flüge. Seit der Indienststellung Ende 1966 hat Russland mehr als 1700 Exemplare dieses Typs in den Himmel gefeuert. Die Sojus ist so etwas wie der VW-Käfer des Weltalls: robust, solide, billig. Stellt man die Erfolgsquote von 98 Prozent in Rechnung, ist der Bestseller aus Sowjetzeiten auch die zuverlässigste Rakete der Welt - und das, obwohl der Träger technisch nie großartig verbessert wurde.

Trägersysteme in großer Serie

Fachleute belächeln russische Raketen zuweilen, zollen dem Sojus-Modell aber auch Respekt: "Die Raumfahrt wird günstiger, wenn Trägersysteme in großer Serie hergestellt und gestartet werden", sagt René Laufer von der Baylor University in Texas. Und das sei bislang nur den Russen gelungen. Der Start einer Sojus kostet 80 Millionen Dollar, schätzen Experten. Die ähnlich schwere Ariane 5 hebt nicht unter 180 Millionen Dollar ab, ein Space Shuttle frisst bis zu einer Milliarde Dollar.

Mit Frachtflügen verdient Russland bereits gut, ab sofort macht Roskosmos auch in der bemannten Raumfahrt Kasse: 43 Millionen Dollar kostet der Sitzplatz für jeden nicht-russischen Astronauten, der in einer Sojus zur Internationalen Raumstation ISS gebracht wird. Bis 2016 könnte der Preis auf 63 Millionen Dollar steigen. Insgesamt hat allein die US-Raumfahrtbehörde Nasa mehr als 40 Plätze bis 2016 reserviert, was den Russen mehr als zwei Milliarden Dollar einspielen dürfte.

Russlands Raumfahrt kann dieses Geld gut gebrauchen, denn bei Hightech-Produkten wie Satelliten dominieren westliche Hersteller. So entfallen trotz der Marktführerschaft im Transportgeschäft nur gut drei Prozent des weltweiten Raumfahrtumsatzes auf Russland, rechnete Roskosmos-Chef Wladimir Popowkin kürzlich vor, "angemessen" seien zehn bis zwölf Prozent.

Florian Willershausen
Florian Willershausen
Handelsblatt / Korrespondent
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