Raumfahrtindustrie
Wesertechnik auf Allmission

Bremen ist der zweitwichtigste Standort der Raumfahrtindustrie in Deutschland: Die Bremer Raumfahrtunternehmen nehmen eine Spitzenstellung im Hochtechnologiebereich ein. Sie liefern sich einen Wettlauf um den Auftrag für das europäische Satellitennavigationssystem Galileo. Zudem haben beide Firmen Interesse an Mondmissionen angemeldet.

BREMEN. Im Frühjahr 2008 konnten sich die Bremer Raumfahrtingenieure wieder einmal auf die Schultern klopfen. Schließlich hatten es die zurzeit bedeutendsten europäischen Raumfahrtprojekte heil zum Einsatzort geschafft - und die Technik dafür stammte von der Weser. Erst brachte ein Shuttle das Labormodul "Columbus" zur Internationalen Raumstation ISS. Dann dockte das erste vollautomatische Raum-Lastschiff "Jules Verne" an der Station an. EADS Astrium hatte die Systeme entwickelt, OHB Technology die wissenschaftlichen Anlagen gefertigt.

Doch die beiden führenden Raumfahrt-Unternehmen der Hansestadt haben längst weitergehende Pläne. OHB baut zum Beispiel an der sogenannten "SAR-Lupe", dem ersten satellitengestützten Überwachungssystem der Bundeswehr. Auch beschäftigen sich die Entwickler mit besonders kleinen und kostengünstigen Satelliten, die in der Branche unter dem Namen "Small GEOs" firmieren.

Viel Know-how steckt auch in der Arbeit von EADS. Der Bremer Standort konzentriert sich auf Trägerraketen und Raumfahrtsysteme. Die Spezialisten schrauben bereits an einem zweiten Raumlaster. Auch fertigen sie Antriebsstufen für die europäische Trägerrakete Ariane 5. Unternehmenssprecherin Kerstin Leung sagt, sie mache sich um das zukünftige Geschäft keine Sorgen - ganz im Gegenteil: "Der Markt für Satelliten hat anzogen", sagt Leung.

Wegen ihrer Spitzenstellung im Hochtechnologiebereich machen sich die Bremer Raumfahrtunternehmen auch Konkurrenz: Sie liefern sich einen Wettlauf um den Auftrag für das europäische Satellitennavigationssystem Galileo. Zudem haben beide Firmen Interesse an Mondmissionen angemeldet. Eine erste europäische Mission ist für das Ende des nächsten Jahrzehnts geplant. EADS hat angekündigt, das Landegerät bauen zu wollen. OHB wiederum will einen eigenen Mondsatelliten entwickeln. Die Aussichten stehen für beide Unternehmen gut: Nach Plänen des Deutschen Instituts für Luft- und Raumfahrt (DLR) bekommt EADS Astrium die Führung, OHB beteiligt sich.

Nicht nur beim Mondprogramm sind die Bremer führend. Die Stadt ist nach Angaben des Branchenverbands nach München der zweitwichtigste Standort der Raumfahrtindustrie in Deutschland. 1 800 Menschen verdienen in der Branche ihr Geld. Ein Großteil davon arbeitet in der Wissenschaft. So betreibt seit 2006 das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz ein Institut in Bremen, das sich auf Robotik konzentriert. Die Forscher experimentierten mit dem "Scorpion", einem achtbeinigen Roboter für unwegsames Mondgelände. Im vergangenen Jahr hat die DLR dazu ein eigenes Institut in der Hansestadt gegründet. Die 45 Beschäftigten arbeiten mit EADS in der Höhenforschung zusammen. Sie sind im Universitätszentrum angesiedelt, in dem sich der europaweit einzige Fallturm für Schwerelosigkeitsexperimente befindet.

Sogar einen bemannten Flug ins All planen EADS und DLR. Diese Vision der Europäer könnte wohl frühestens 2017 Wirklichkeit werden. Doch ein Modell der Raumkapsel will EADS schon in zwei Wochen auf der Internationalen Luftfahrtausstellung in Berlin vorstellen. Gebaut wurde es in Bremen.

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