Raumschiff Jules Verne
Europas Offensive im Weltraum

Am Sonntag bringt die europäische Raumfahrtagentur ESA ein neues Hightech-Raumschiff ins All. Das "Automatische Transferfahrzeug Jules Verne" verschafft den Europäern erstmals einen eigenständigen Zugang zur Raumstation ISS - und könnte ihnen sogar den Einstieg in die bemannte Raumfahrt eröffnen.

HB FRANKFURT/MAIN. Europa zeigt Präsenz im All: Nur einen Monat nach dem Andocken des Forschungslabors „Columbus“ an die Internationale Raumstation soll am Sonntagmorgen das bislang ausgeklügelteste Raumschiff des Alten Kontinents starten. Das „Automatische Transferfahrzeug“ (ATV) verschafft den Europäern erstmals einen eigenständigen Zugang zur ISS. Mit seiner Nutzlast von 7,5 Tonnen wird der unbemannte High-Tech-Transporter ein zentraler Pfeiler für die Versorgung des „Außenpostens der Menschheit im All“.

Dies umso mehr, wenn die NASA ihre veraltete Shuttle-Flotte wie geplant 2010 einmottet. Dann müssen die Russen mit den „Sojus“-Kapseln allein den Astronauten-Transport übernehmen und die ATV und die russische „Progress“ den Nachschub sichern. Das erste ATV - bis 2015 sind fünf Missionen geplant - bringt unter anderem eine halbe Tonne Lebensmittel, Bekleidung, Ersatzteile, Trinkwasser und Sauerstoff zur ISS.

Das nach dem französischen Science-Fiction-Visionär Jules Verne benannte, 20 Tonnen schwere Raumschiff wird von Kourou in Französisch-Guayana an Bord einer Ariane-5 in den Weltraum geschossen. Es ist die schwerste Last, die die europäische Trägerrakete bislang gestemmt hat. 70 Minuten nach dem Start trennt sich das ATV von der Ariane, entfaltet seine Sonnensegel und verwandelt sich in ein Raumschiff, das mit Hilfe von GPS-Navigation selbstständig Kurs auf die ISS in 400 Kilometer Höhe nimmt.

Das Andockmanöver wird eine Premiere für die europäische Raumfahrt - und auch das geht vollautomatisch: Mit zwei Laser-Kanonen ähnlich den Radarpistolen der Polizei misst das ATV auf den letzten drei Kilometern seinen Abstand zur ISS und legt am russischen Teil der Raumstation an - ohne dass die Astronauten auch nur einen Finger krumm machen müssen. Zum Vergleich: Das Andocken eines US-Shuttles ist Handarbeit für die Crew.

Für einige Monate wird das ATV dann zu einem Teil der ISS, wobei es mit seinem Antrieb die wegen des Reibungswiderstands in der Restatmosphäre ständig leicht absinkende Raumstation auf eine höhere Umlaufbahn zurückhievt. Am Ende seines Lebens wird „Jules Verne“ mit Abfall beladen, legt ab und verglüht kontrolliert in der Atmosphäre über dem Pazifik.

Der erste „High-Tech-Mülleimer“ kostet die Europäische Raumfahrtagentur ESA 1,3 Milliarden Euro, darin enthalten sind Entwicklung, Betrieb des Kontrollzentrums in Toulouse und der Start mit der Ariane 5. Jede weitere ATV-Mission schlägt dann mit 350 Millionen Euro zu Buche. Auf diese Weise zahlen die Europäer gleichsam ihre „Miete“ für die Mitbenutzung der ISS, erläutert ESA-Sprecher Markus Bauer.

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