Raumstation ISS
Erfolgreicher Kleidertest im All

Erstmals haben zwei Astronauten die Internationale Raumstation ISS mit neuartigen Raumanzügen verlassen. Die „intelligente“ Weltraumbekleidung überstand den ersten Härtetest ohne Probleme, nachdem es kurz vor dem Ausstieg noch zu Verzögerungen gekommen war.
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HB MOSKAU. Zwei Raumfahrer der Internationalen Raumstation ISS haben am Freitag einen mehrstündigen Außeneinsatz mit neuartigen Raumanzügen absolviert. Der russische Kosmonaut Gennadi Padalka installierte gemeinsam mit seinem US-Kollegen Michael Barratt mehrere Antennen, die für das Andocken eines russischen Forschungsmoduls im November benötigt werden. Nach fünfstündigem Einsatz kehrten beide wohlbehalten in die Station zurück.

Der Ausstieg hatte sich zunächst um fast eine Stunde verzögert, weil die Technik der Anzüge noch einmal überprüft werden musste. Messungen hatten erhöhte Kohlendioxidwerte in den Raumanzügen ergeben. Hohe Konzentrationen dieses Gases können zu Problemen wie Schwindel oder Übelkeit führen. Barratt und Padalka erklärten aber, sie fühlten sich wohl, so dass die Bodenkontrolle schließlich Grünes Licht gab.

Die neuen russischen Anzüge vom Typ „Orlan-MK“ gehören mit ihrem Flüssigkristall-Display zur Generation „intelligenter“ Weltraumbekleidung. Sie zeigen ihren Trägern an, in welcher Reihenfolge vor dem Ausstieg die Funktionen überprüft werden müssen und informieren fortlaufend über die wichtigsten Messwerte. In Notsituationen wie bei erhöhtem Sauerstoffverbrauch ertönt ein Warnsignal. Zugleich bekommt der Raumfahrer konkrete Hinweise, was er zu tun hat, um das Problem zu lösen.

Mit den älteren Anzügen hatte es bei den nicht ungefährlichen Einsätzen im luftleeren Raum mitunter Probleme gegeben. So verloren die russischen Sauerstoffflaschen Druck. Es gab auch Probleme mit von innen beschlagenen Helm-Visieren. Bei einem US-Astronauten riss vor einigen Jahren im Außeneinsatz ein Handschuh ein.

Ein zweiter Außeneinsatz der Raumfahrer in diesem Monat ist für den 10. Juni geplant. Seit Ende Mai befinden sich auf der ISS sechs statt wie zuvor drei Raumfahrer. Damit hat die Raumstation erstmals seit Jahren die Soll-Stärke für Arbeit und Forschung. Der Belgier Frank de Winne soll von Oktober an als erster Astronaut der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA das Kommando über die ISS übernehmen. Dieses Privileg ist bislang Russen und Amerikanern vorbehalten gewesen.

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