Raumtransporter Dragon
Privates Raumschiff vor Flug zur ISS

Nach der Ausmusterung ihrer Shuttle-Flotte drückt die Nasa aufs Tempo: Noch in diesem Jahr soll erstmals in der Geschichte der Raumfahrt ein privates Transportschiff an einer Raumstation andocken.
  • 0

WashingtonNoch in diesem Jahr soll der erste privat entwickelte Shuttle-Nachfolger zur Raumstation ISS starten. Wie die US-Weltraumbehörde Nasa mitteilte, habe man sich mit dem kalifornischen Unternehmen SpaceX (Space Exploration Technologies Corporation) „technisch“ geeinigt, den SpaceX-Raumtransporter Dragon am 30. November zur ISS starten zu lassen. Am 7. Dezember könnte dann erstmals ein privat entwickeltes Raumschiff an der Station andocken.

Ursprünglich sollte Dragon bei seiner ersten Reise zwar zur ISS fliegen, dort aber noch nicht andocken. Für das komplizierte Manöver war ein weiterer Flug geplant. Angesichts der guten Ergebnisse der bisherigen Dragon-Testflüge entschied man sich nun jedoch, beide Missionen zusammenzulegen. „Wir sind mit SpaceX technisch übereingekommen, beide Flüge zu kombinieren“, so Nasa-Manager William Gerstenmaier. Nun muss die Vereinbarung noch offiziell abgesegnet werden.

Läuft alles nach Plan, würde noch in diesem Jahr eine historische Mission verwirklicht: Es wäre das erste Mal, dass ein privates Raumschiff an einer Station im All andockt. Der wiederverwendbare Raumtransporter Dragon kann drei Tonnen Versorgungsgüter zur ISS befördern. Ins All gebracht wird er von einer Falcon-9-Rakete, eine Eigenentwicklung von SpaceX.

Im vergangenen Dezember hatte SpaceX das Transportsystem erstmals gestartet. Nach zwei Erdumrundungen und gut drei Stunden Flugzeit kehrte Dragon zur Erde zurück und wasserte wie vorgesehen im Pazifik vor der mexikanischen Küste. Ein erfolgreicher Testflug, der die Verantwortlichen offenbar zu dem jetzt getroffenen Arrangement ermutigte. Nasa und SpaceX sind bereits seit Jahren Geschäftspartner, 2008 hatte die Raumfahrtbehörde einen 1,6 Milliarden-Dollar-Vertrag über Transportflüge zur ISS mit dem Unternehmen geschlossen.

Nach der Ausmusterung ihrer Shuttle-Flotte verfügt die Nasa derzeit über kein eigenes Transportsystem, um Astronauten oder Ladung zur ISS zu befördern. Für bemannte Flüge sind die USA darauf angewiesen, Plätze in russischen Sojus-Raumschiffen anzumieten. Versorgungsgüter soll künftig neben dem Dragon auch der Cygnus-Raumtransporter der Firma Orbital Sciences Corporation ins All bringen. Auch mit diesem Unternehmen hat die Nasa bereits einen milliardenschweren Vertrag über Transportflüge zur ISS abgeschlossen. Anders als der Dragon hat Cygnus bislang allerdings noch keinen Testflug absolviert.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik

Kommentare zu " Raumtransporter Dragon: Privates Raumschiff vor Flug zur ISS"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%