Raumtransporter
Jules Verne läuft wie ein Uhrwerk

Seit Donnerstag ist der Raumtransporter Jules Verne an die Raumstation ISS angekoppelt. Das erste Automated Transfer Vehicle (ATV) der europäischen Weltraumbehörde Esa versorgt die ISS mit Nahrung, Ersatzteilen und Treibstoff. Im Interview beschreibt Volker Schmid, Projektleiter für ATV, die letzten Momente vor dem Andocken - und wie die Zukunft des ATV aussehen könnte.

Seit dem Beschluss der ESA 1995 einen Raumtransporter zu bauen und dem Docking an die ISS sind 13 Jahre vergangen. Sie selbst sind seit 2001 Projektleiter von ATV. Wie fühlen Sie sich nach dem erfolgreichen Docking?

So, wie wenn man nach einem Marathonlauf die Ziellinie überquert, man fühlt sich einfach gut. Genau so geht es mir auch. Ich war ehrlich gesagt nicht besonders aufgeregt. Seit dem Start am 9. März 2008 lief das Ariane-ATV-System wie ein Uhrwerk, das ist wirklich beeindruckend. Es macht mich einfach stolz, dass wir das in Europa geschafft haben und dass alles so reibungslos ablief.

ATV ist ein völlig autonomes Raumfahrzeug, was haben die Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation ISS während des Dockings gemacht?

Über ein Kontrollpult und Laptops im russischen Swesda Modul, an dem ATV gekoppelt wurde, konnte die Crew das Docking verfolgen. Am Raumtransporter befindet sich das so genannte "Target Pattern", ein beleuchtetes Fadenkreuz, das durch die ATV-Automatik genau zur Deckung mit dem russischen Modul gebracht werden muss. Bis einen Meter vor dem Docking, dem so genannten "Crew Hands Off Point", können die Kontrollzentren oder die Crew jederzeit eingreifen, um beispielsweise eine Kollision zu vermeiden. Die Befehle hierfür sind "Retreat", das heißt, der Raumfahrzeug wird auf Knopfdruck bis zum nächsten Haltepunkt zurückgesetzt, "Resume" bedeutet, die Mission wird wieder aufgenommen. Der Befehl "Escape" führt den Raumtransporter auf 39 Kilometer hinter die ISS zurück. "Abort" nenne ich den "Notaus-Knopf", ihn verwendet man zum Beispiel bei Computerausfällen.

Die Crew hat eine Tabelle, auf der alle Fälle aufgelistet sind und weiß, wann es notwendig ist, die "Abort-Taste" zu drücken. Dann wird das ATV automatisch für einen gewissen Zeitraum auf einen Sicherheitsabstand 39 Kilometer hinter und fünf Kilometer unterhalb der ISS zurückkehren. Dort wird es getestet und anschließend ein neuer Anflug durchgeführt.

Jules Verne ist von einer Isolationsfolie, den so genannten "Thermal Blankets", umgeben. Aufnahmen der Nasa zeigen, dass es zu Ablösungen der Folien gekommen ist. Wie kam es zu diesem Zwischenfall?

Es ist möglich, dass die Folien durch das Absprengen der Nutzlastverkleidung nach dem Raketen-Start berührt und ein Teil der Folie beschädigt wurde. Es werden bereits Analysen durchgeführt. In den nächsten Wochen wird man konkrete Aussagen darüber machen können, wie es zu dieser Ablösung kam.

Für die Mission selbst ist dies jedoch unkritisch, es führt lediglich zu einem höheren Heiz- oder Kühlungsprozess, der mit einem geringfügig höheren Strombedarf von ATV verbunden ist. Nach dem Docking liefert die ISS den Strombedarf für das Raumfahrzeug, der dadurch etwas höher ausfällt. Beim Betreten von ATV wird sich zeigen, ob sich im Innern der Nutzlast die Temperaturen verändern.

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